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Mit 17 hat man noch Träume
Träumer, nannten ihn seine 10 älteren Brüder verächtlich. Sie mochten ihn nicht. Ich rede von Josef, dem Lieblingssohn von Jakob aus dem Alten Testament.
Jakob überschüttete Josef mit Zärtlichkeit und Geschenken. Und als Josef 17 Jahre alt war, bekam er vom Vater einen bunten Mantel. Darin sah er beinahe aus wie ein König.
Die älteren Brüder mussten arbeiten, Josef aber konnte sein Leben genießen. Außerdem hatte Josef intensive Träume. Er erzählte sie seinen Brüdern und Eltern.
Und das träumte er: Josef und seine Brüder binden bei der Ernte Weizengarben zusammen. Josefs Garbe bleibt aufrecht stehen. Die Garben der Brüder neigen sich vor ihr. In einem zweiten Traum sieht Josef die Sonne, den Mond und 11 Sterne. Auch die verneigen sich alle vor ihm.
Wir verbeugen uns niemals vor dir, wüten die Brüder. Und auch Jakob weist diesmal seinen Liebling zurecht. Niemand aus der Familie will sich vor Josef verbeugen. Das Gegenteil ist der Fall. Er, der Träumer, der auf so einem hohen Ross sitzt, der soll fallen. Ganz tief. Am liebsten sähen die Brüder ihn tot.
Eines Tages, als Josef die Brüder auf dem Feld besucht, schnappen sie ihn sich und werfen ihn in einen tiefen Brunnen. Dort soll er umkommen. Doch fremde Händler kommen vorbei. Sie kaufen Josef als Sklaven.
Josef, der sich in seinen Träumen schon ganz oben sah, ist nun ganz unten gelandet. Ausgeträumt der Traum von Macht und Ehre. Im Traum verbeugte sich seine Familie vor ihm. In der Wirklichkeit in Ägypten beugt er sich als Sklave vor seinem Herrn.
Ausgeträumt das kommt oft vor im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben: der Vorschlag eines Einzelnen wird von der Mehrheit abgelehnt; Kinder entwickeln sich anders, als ihre Eltern es wünschen; eine Beziehung zerbricht; aus dem erwarteten Ruhestand mit Studium und Reisen wird ein Unruhestand mit Krankheiten und anderen Widrigkeiten.
Doch die Geschichte vom Träumer Josef geht weiter: In der Bibel steht: Gott war an Josefs Seite, so dass er ein Mann wurde, dem alles glückte. Sein Besitzer war so begeistert von ihm, dass er ihn zum Verwalter über sein ganzes Haus einsetzte. Noch einmal stürzt Josef ab: die Ehefrau seines Besitzers wollte ihn als Liebhaber. Er lehnte ab. Sie verleumdete ihn. Und er landete im Gefängnis.
Dort wird aus dem ehemaligen Träumer ein erfolgreicher Traumdeuter. Sogar Pharaos Träume kann er richtig deuten. Der macht ihn zu einem freien Mann und zu seinem obersten Verwalter. Während einer Hungersnot bewahrt Josef ganz Ägypten vor einer Katastrophe. Die Hungersnot treibt auch Josefs Brüder nach Ägypten. Nur dort gibt es noch Getreide. Und sie verbeugen sich vor dem obersten Verwalter, vor Josef, den sie zunächst nicht erkennen. Der Traum eines 17jährigen nach Jahrzehnten erfüllt. Für Josef eine Genugtuung? Ein Triumph? Nein!
Er ist nicht mehr der 17-Jährige, der nur auf die eigenen Kräfte setzte. Josef weiß: Sein Traum ist nur Wirklichkeit geworden, weil Gott das Böse, das die Brüder für ihn wollten, zum Guten gewendet hat. So beugt er sich zu seinen Brüdern und hebt sie vom Boden auf. Auch wenn Träume sich nicht so erfüllen, wie ich es hoffe, bleibt das Träumen eine gute Sache. Selbst ein Ausgeträumt kann Energien freisetzen. Ich begehre dagegen auf oder ich sehe wie Josef mein Leben neu, setze auf andere Verbündete, entdecke ungeahnte Fähigkeiten in mir und lerne, mich auf Gott zu verlassen.
Mit 17 hat man noch Träume
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