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Das Volk, das noch im Finstern wandelt (eg 020)
Choral: Das Volk, das noch im Finstern wandelt, bald sieht es Licht, ein großes Licht. Heb in den Himmel dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott handelt.
Autor: Guten Morgen zu einem weiteren verkaufsoffenen Samstag am Vortag des zweiten Advents. Es dauert nicht mehr lange, dann werden wieder überall die Geschäfte ihre Pforten öffnen zu einer weiteren Verkaufsschlacht. Und wieder wird den einen oder die andere ein ungutes Gefühl beschleichen: ist das alles richtig so? Sind wir auf dem richtigen Weg durch den Advent auf Weihnachten hin? Das Geschenkangebot, das alle Blicke auf sich zieht; die forschenden Blicke auf die Familie, die Freunde- damit man auch niemanden vergisst. Der Lärm, der heftiger in der Adventszeit ist als sonst. So schön schenken und beschenkt werden auch ist, Advent will auch noch etwas anderes. Unser Choral gibt einen Hinweis: reiß wenigstens einmal kurz deinen Blick von deiner Geschäftigkeit los: Guck nach oben! Also: guck weg von dir! Steh still und höre in die Stille hinein. "Einfach Stehen und lauschen. Leicht gesagt. So einfach ist das eben gar nicht! Den Lärm und die Hast hinter sich zu lassen. Einhalten im Betrieb. Sich der Stille aussetzen. Einmal gar nichts hören. Nur die Stille. Wie gut das tut, weiß jeder, der sich das einmal versucht hat. Was kann denn schon passieren, wenn ich einmal zehn Minuten am Tag nichts tue und nur höre, mich der Stille aussetzen? Wovor habe ich da Angst? Steh und lausche, weil Gott handelt so lautet der Rat. Weil Gott handelt? Das macht mich neugierig! Gott handelt in der Stille? Wäre es dann nicht logisch die Stille zu suchen? Doch es hat auch etwas Prickelndes, etwas Anrührendes, ja etwas Furchteinflößendes, dem Allmächtigen, dem geheimnisvollen Gott in der Stille zu begegnen. Dazu bin ich eben nicht immer bereit. Darum macht die Stille auch ein wenig Angst. Was weiß ich denn, was da alles passieren kann?! Es könnte mein Leben verändern, dem lebendigen Gott zu begegnen. Und das will ich ja vielleicht gar nicht, ich will lieber, dass alles so bleibt, wie es ist. Oder? Der Lieddichter wird ein wenig eindringlicher. Er spricht mich, er spricht Sie direkt an! Gott kommt! Im Lauschen auf die Stille hören wir das Kommen Gottes.
Chor: Die ihr noch wohnt im Tal der Tränen, wo Tod den schwarzen Schatten wirft: Schon hört ihr Gottes Schritt, ihr dürft euch jetzt nicht mehr verlassen wähnen.
Autor: Die im Tal der Tränen wohnen, wo noch der Tod herrscht. Das sind doch wir. Grund zur Traurigkeit gibt es nun wirklich genug. Für uns als ganze Gesellschaft, aber auch im Leben eines jeden einzelnen Menschen. Da sind immer wieder Abschiede, mit denen wir fertig werden müssen. Menschen, die wir geliebt haben, sind nicht mehr unter uns. Zeiten in unserem Leben, die wir mochten, Lebensabschnitte gehen zu Ende. Freunde oder Partner, die einmal zu uns gehörten, haben uns die Gemeinschaft aufgekündigt. Aber nicht nur das. Es ist ja wirklich so: der Tod wirft noch immer seine schwarzen Schatten. Ich denke an all die Menschen, für die der Krieg noch immer nicht vorbei ist, auch wenn die Waffen längst schweigen und nicht mehr geschossen wird. Immer wieder merke ich bei Gesprächen mit Menschen, die Erfahrungen mit dem sinnlosen Töten im Krieg gemacht haben, dass die Wunden sehr tief sind. Einen Granatsplitter kann man herausoperieren. Das heilt. Doch die Seele leidet. Es gibt ein starkes Bedürfnis, immer wieder über all diese traumatischen Erfahrungen zu sprechen, diese Schrecken des Krieges mit andern Menschen zu teilen. Uns allen ist erst einmal gesagt: haltet an, lauscht. Gott kommt. So jedenfalls lautet das Versprechen. Das passt in diese Adventszeit. Advent, das heißt doch Ankunft. Gottes Ankunft in dieser Welt. Gott kommt mit Frieden. Gott ist kein Feind und auch kein Gegner, den wir bekämpfen müssen. Er bietet uns seine Freundschaft an. Was für eine Nachricht!
Chor: Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen, nie Krieg, Verrat und bittre Zeit! Kein Kind, das nachts erschrocken schreit, weil Stiefel auf das Pflaster schlagen.
Man singt: ein Sohn ist uns gegeben, Sohn Gottes, der das Zepter hält, der gute Hirt, das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit und das Leben. Autor: Ein Kind wird uns geboren. Das gehört zu den größten Ärgernissen des christlichen Glaubens: Gott kommt als Kind. Eine Zumutung für jeden, der sich über Gott Gedanken gemacht hat. Eine Ohrfeige für alle Philosophen und alle, die über Gott und wer er ist, spekulieren. Jesus Christus, der gute Hirte, das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit und das Leben. In Ihm kommt Gott zu uns! Aber die Liste seiner Namen ist damit noch lange nicht zu Ende.
Chor: Noch andre Namen wird er führen: er heißt Gottheld und Wunderrat und Vater aller Ewigkeit. Der Friedefürst wird uns regieren. Autor: Er heißt Wunderrat. Das bedeutet nicht, dass er seinen Eltern wunderbare Ratschläge gibt, sondern dass er Wunder wirkt. Das Kind Gottes wird auf dieser Erde wunderbare Dinge tun. Denn die Menschen sollen verstehen, wie gut es Gott mit ihnen meint. Er heißtGott-Held. Das Kind heißt also auch selbst Gott, denn es gehört zu ihm. Von ihm kommt es und zu ihm hin will es uns, die wir im Tal der Tränen leben, führen. In Gottes Namen will es für uns sorgen und für uns da sein. Uns behüten und beschützen. Und: er heißt Friedefürst. Das Kind will dafür sorgen, dass die Menschen im Einklang mit der Schöpfung ihr Leben auf dieser Erde gestalten. Gewalt gegen Menschen und Tier, Gewalt gegen die Natur, die uns das Leben erst ermöglicht, verabscheut er! Im Gleichschritt marschieren und grölend aus heiseren Kehlen singen, das passt nicht zum Reich des Messias, des Friedefürsten! Befehle brüllen, Drill und Gehorsam, Nachtmärsche mit schwerem Gepäck- das ist ihm zuwider. Uniformen, die den Menschen gleich machen, lassen ihn grausam erscheinen
Vor einigen Wochen haben wieder einmal haben die militärischen Machthaber in Burma die Mönche zurückgedrängt in ihre Klöster. Die friedlichen und gewaltlosen Protestierer wurden noch einmal mit Gewalt mundtot gemacht. Doch die Erfahrung lehrt: das ist nur eine Frage der Zeit. Die Mönche werden wieder auf die Straße gehen. Sie tun das im Geist des Friedefürsten. Auch wenn er für sie einen ganz anderen Namen trägt, als die Namen, die wir kennen. Es gibt also eine Vision einer besseren Welt, die die Religionen und Konfessionen umschließt. Es ist die Hoffnung, dass es einmal eine bessere, eine andere Welt geben wird, von der man freilich nur in Bildern sprechen kann: ein Land, wo Milch und Honig fließt! Chor: Dann wird die arme Erde mit allen ein Land von Milch und Honig sein. Das Kind zieht als ein König ein, und Davids Thron wird niemals fallen.
Dann stehen Mensch und Mensch zusammen, vor eines Herren Angesicht, und alle, alle schaun ins Licht, und er kennt jedermann mit Namen.
Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld über den Choral Das Volk, das noch im Finstern wandelt. Es sang das Lüdenscheider Vokalensemble.
Das Volk, das noch im Finstern wandelt (eg 020)
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