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Kitsch und Kommerz
Weihnachten zwischen Kitsch und Kommerz, lese ich in einer Zeitung. Eine interessante Überschrift, nicht besonders originell, aber treffend:
Vieles bewegt sich zwischen Kitsch und Kommerz in diesen Tagen. Na und? Sage ich. Ich kann mich dem Kommerz, dem Kaufrausch entziehen, wenn ich will, vernünftig einkaufen und im Übrigen dem Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft gönnen, guter Umsatz erhält ja auch Arbeitsplätze.
Und der Kitsch? Die süßen Engelein und die flackernden bunten Lichter allüberall in den Fenstern der Häuser? Na und? Sage ich. Der Kitsch zeigt uns ja nur, was dahinter steckt, was in uns allen steckt: Die Sehnsucht! Das Sehnen nach Harmonie und Frieden, nach Herzenswärme und Romantik, nach heiler Welt.
Vielleicht haben wir Deutschen da ja Nachholbedarf. In keinem anderen Land wurde der Kampf gegen den Kitsch so verbittert geführt wie bei uns. Wohl deshalb, vermuten Philosophen, weil das deutsche Wesen dazu neigt, das Hochstehende gegen das Niedere auszuspielen, Klassik gegen Pop, Literatur gegen Arztromane oder eben «hohe» Kunst gegen «niederen» Kitsch.
Ich muss sie nicht mögen: den röhrenden Hirsch aus dem Wohnzimmer meiner Großeltern oder die barocken Weihnachtsengel in den Parfümerie-Abteilungen. Was ich mag, ist die Sehnsucht, die sich darin ausdrückt. Meint auch der Soziologe Burkhardt Schmidt: Trotz allen Misstrauens gegen vielleicht oberflächliche Gefühle, im Kitsch gibt es Verweise auf Heimat und Vertrautsein.
Das Gefühl, beheimatet zu sein, wer will das nicht!? Ich will wissen wo ich hingehöre, wo mein Platz ist, wo ich zu Hause bin, behütet und geborgen. Das ist, für mich, für jeden von uns, der Kreis von Menschen, die wir lieben und die uns lieben.
Advent und Weihnachten bieten viele Möglichkeiten fürs behagliche Zusammensein mit vertrauten Menschen. Ich gehe deswegen gern mit guten Freunden und meiner Familie auf den Weihnachtsmarkt und genieße die Gerüche und Geräusche und das Zusammensein bei Glühwein, Punsch und gebrannten Mandeln. Außerdem bin ich bekennender Weihnachtsgeschenke-Einkäufer, hoffentlich ohne Stress, aber mit guten Ideen für die Menschen, die mir etwas bedeuten, und so freue ich mich auf die Bescherung an Heiligabend bei Kerzenschein und Weihnachtsmusik.
Ist das kitschig? Meinetwegen. Und hoffnungslos romantisch. Und das ausgerechnet bei einem, der sonst eher als Kopfmensch gilt. Na und? "Kitsch ist der kürzeste Weg zum Sich-Versöhnen mit den Lebensumständen", sagt der Soziologe Schmidt.
Wunderbar. Wenn sich die Welt, wenn sich alles für einen Augenblick heil anfühlt. Ich brauche das. Auch und erst recht den Glauben an Gott, das Gefühl bei ihm beheimatet zu sein: Ich gehöre zu ihm und er zu mir - für immer, für immer und ewig. Auch das lässt sich besonders gut in diesen Tagen erleben, wenn man will, bei Kerzenschein zu Hause oder in der Kirche.
Und wer das alles nicht erlebt in diese Tagen? Wem die Vertrauten abhanden gekommen sind, wer sich nicht versöhnen kann mit den Lebensumständen? Für diese Menschen hoffe ich sehr, dass sie sich die Sehnsucht bewahren und an den Weihnachtstagen dann doch einen Ort finden, wenigstens einen, wos ihnen warm wird, warm ums Herz.
Kitsch und Kommerz
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