| |
Interview mit Gott
Autor: Advent ist auch die Zeit der Träume, Träume von einer anderen besseren Welt, von einer Wirklichkeit, die die sichtbare Realität übersteigt.
Auch der bekannte Fernsehjournalist Wolf von Lojewski glaubt daran, träumt davon.
O-Ton: Einer meiner schönsten Träume, an den ich mich erinnere, ich weiß gar nicht, wann ich es geträumt habe, war, dass ich wie so eine Rakete oder so etwas ähnliches durch den Weltraum schwebte, immer höher, es war wunderschön, also keine 3D-Animation und kein Fernsehfilm hat das jemals so schön gemacht, wie ich das in meinen Träumen konnte.
Autor: Für von Lojewski ein Traum mit einer tieferen Bedeutung.
O-Ton: So hat es mir das symbolisiert, dass ich eines Tages gerne in diese Unendlichkeit hineinschweben möchte. Vielleicht ist es dann auch noch nicht die letzte Station, aber ich stelle mir vor und ich wünsche mir, dass es da tatsächlich etwas gibt, was gestern, heute, morgen, diese Welt, das Universum und möglicherweise noch Regionen darüber hinaus in irgendeiner wundersamen Weise, die wir jetzt nicht begreifen, zusammenhält.
Autor: Wie sonst sollten wir die Realität dieser Welt aushalten und ertragen können, das Leid und den Tod, die kleinen und großen Hässlichkeiten des Lebens? Der Ewigkeit die Hand entgegenreichen. Wer das kann, sagt Wolf von Lojewski, ist gut dran.
O-Ton: Zu wissen, dass dieses auf dieser Welt sehr interessant ist, aber irgendwann zu Ende ist. Also das ist die Sehnsucht danach, dieser Ewigkeit die Hand entgegenzureichen, wobei der Ausdruck stammt nicht von mir, sondern von Ratzinger aus seiner Zeit als er noch Ratzinger war.
Autor: Und in der Ewigkeit, der anderen Wirklichkeit, Gott persönlich begegnen! Das gehört dazu. Eine Vorstellung des jüdisch-christlichen Glaubens, die bei manchen Ängste und Unbehagen auslöst. Wolf von Lojewski freut sich darauf.
O-Ton: Es gibt unter uns Journalisten natürlich immer die Frage, wen würden Sie gerne noch mal interviewen? Wen ich wirklich interviewen möchte, das ist auch etwas, was mir das Sterben - ich will nicht sagen leichter macht - aber doch ein wenig schon, dass ich am Ende dieses Prozesses etwas weiß, und wenn ich dann Gott gegenüberstehe, den zu interviewen, und ihn zu fragen: was hast du eigentlich von mir erwartet? was sollte ich tun? was habe ich nicht getan? worin habe ich dich enttäuscht? und worin, würdest du sagen, na, okay, also, das ging einigermaßen?
Autor: Da ist dann rein gar nichts von Gott zu befürchten, sagt der Protestant von Lojewski mit dem Brustton der Überzeugung. Gott wird unsere Lebensbilanz mit gnädigen Augen anschauen. Aber wir haben unser Leben vor ihm zu verantworten.
O-Ton: Es geht hier darum, aufrecht zu Gott zu sein, ehrlich. Das ist es. Und Gott kennt natürlich all meine Zweifel, er kennt alle meine Schwächen, und das ist sozusagen der Teil meines Glaubens, einer tiefen Sehnsucht zu glauben
Autor:
zu glauben, dass die Liebe Gottes größer ist als alles andere. Das jedenfalls ist Wolf von Lojewskis Lieblingstext in der Bibel.
O-Ton: Liebe, Glaube, Hoffnung, diese drei, aber die größte unter ihnen ist die Liebe.
Interview mit Gott
|