Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.12.07, Jost Klausmeier-Saß

Freundschaft oder Gefangenschaft

O-Ton 1: „Wir haben früh angefangen zu rauchen. Wir haben früh angefangen, Alkohol zu trinken. Wir sind fast jeden Tag besoffen gewesen.“

Sprecherin: Tobi und sein bester Freund waren gut drauf. Jedenfalls fühlten sie sich so. Und Tobi bewunderte seinen Freund. Weil er älter war. Sich mehr traute. Klare Ansagen machte.

O-Ton 2: „Der war auch ziemlich kriminell zu der Zeit. Er hat halt gesagt: Wir machen jetzt das und das! Und wenn ich gesagt hab „Ne, mach ich nicht“, dann hat er gesagt „dann brauchst du dich hier nicht mehr blicken zu lassen!“

Sprecherin: Für Tobi ein echter Konflikt: Was tun? Auf den Freund oder auf das eigene Gewissen hören? Nicht mitmachen und deshalb die Freundschaft auf’s Spiel setzen? Damals kam für Tobi nur eins in Frage:

O-Ton 3: „Aber da er dann in dieser Zeit die einzigste Person war, die ich hatte, habe ich natürlich mitgezogen. Und nach einer Zeit hab ich einfach nicht mehr gesagt „Nein!“, sondern ich habe es einfach gemacht."

Sprecherin: Durch diesen „Freund“ ist Tobi ziemlich abgestürzt. Hat reichlich Probleme gekriegt.

O-Ton 4: „Wir haben mit Drogen gedealt, wir haben Drogen selber genommen.  Also – wer mich schon schief angekuckt hat, den hab ich nicht nur schief angekuckt, den hab ich sofort geschlagen. Das war mir dann egal. Ich wurde kriminell, so gesehen. Ich hatte öfter Stress mit der Polizei gehabt.“

Sprecherin: Heute würde sich Tobi anders entscheiden. Er hat begriffen, dass Freundschaft was anderes ist, als blinder Gehorsam. Dass Freundschaft nichts mit Erpressung zu tun haben darf.

O-Ton 5: „Das ist eigentlich eine Gefangenschaft für jemanden. Einfach auf jemanden zu hören, der sowieso kriminell ohne Ende ist, einfach um dabei zu sein, um cool zu sein, sag ich jetzt mal ehrlich.“

Sprecherin: Christiane Birgden

 

Audiobeitrag Freundschaft oder Gefangenschaft


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