Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.12.07, Bettina Wendland

Ein Kind

Weihnachten – ertrinkt in Kitsch. Überall blinkt es Rot-Grün-Gold. Lichtergeschmückte Einfamilienhäuser, als laute das Motto "schöner, heller, weihnachtlicher".

Selbst beim Chinaimbiss an der Ecke: „Kling Glöckchen“. Was soll das ganze Tamtam eigentlich? Gut, wenn man selbst kleine Kinder hat, ist das ein schönes Fest. Sagt jedenfalls meine Freundin Clara. Ihre Sohn ist zwar noch ein Baby, aber sie freut sich schon jetzt auf sein Bestaunen seines ersten Tannenbaums.
 
Kinder – ja darum geht es ja eigentlich an Weihnachten. Um ein Kind, um genau zu sein.

Gottes Sohn wurde als Mensch geboren. Was das soll, habe ich mich lange gefragt. Warum sollte Gott Mensch werden? Warum sollte er so sein wie ich? Mit dünnen Haaren, Hüftspeck und Hühneraugen? Dann bin ich auf ein Zitat des guten alten Martin Luther gestoßen: "Wir fassen keinen andern Gott als den, der in jenem Menschen ist, der vom Himmel kam."

Das Kind in der Krippe – hier kann ich Gott begreifen. Wortwörtlich. Anfassen, herzen, kitzeln! So wie ich das Baby von meiner Freundin Clara kitzele.  Jedes Weihnachten sagt genau das: Gott kommt zu uns. Er nicht galaktisch weit entfernt im Himmel. Sondern greifbar nah.

Deshalb werde ich mir das Fest auch in diesem Jahr nicht vermiesen lassen von dem, was nervt. Sondern will meine eigenen Formen und Rituale finden. Auch wenn ich selbst keine Kinder habe. Ein Kind ist ja auf jeden Fall dabei.

Sprecherin: Christiane Birgden

 

Audiobeitrag Ein Kind


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen