Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.11.07, Bettina von Clausewitz

Moschee-Bau in Duisburg als Chance zur Integration

Nicht nur Baulärm liegt vielerorts in der Luft, sondern auch Streit. Hitzig geführte Debatten darüber, ob längst heimisch gewordene Muslime in Deutschland ihrem Glauben

dadurch Ausdruck verleihen dürfen, dass sie Moscheen bauen? Moscheen als Zeichen der Integration oder der Abschottung, wie die Gegner meinen. Auch in Duisburg-Marxloh entsteht zur Zeit eine imposante Moschee mit glänzenden Kuppeln, in einem Stadtteil, der lange als unverbesserlicher sozialer Brennpunkt galt. Dass hier trotzdem Frieden herrscht - das „Wunder von Marxloh“ - wie manche sagen, hat auch mit der evangelischen Kirchengemeinde vor Ort zu tun. Mit Pfarrer Ernst Raunig etwa:

O-Ton: Ich glaube, dass die neue Moschee ’ne Chance bietet, dass die Gemeinde dort, die Ditib-Gemeinde, ein neues Selbstbewusstsein bekommt. Das merkt man jetzt schon. Und ich würd’ das so vergleichen: Wenn jemand von einer Mietwohnung in ein Eigenheim umzieht, dann ist ein Selbstbewusstsein da,das auch eine bestimmte Offenheit mit sich bringt.Und das haben die christlichen Gemeinden erlebt: Ich baue eine Kirche, dann kann ich auch Gäste bei mir zu Gast haben - das ist etwas, was wir an der Warbruckstraße erleben, dass aus Gästen Gastgeber werden, aus Gastarbeitern auch Leute werden, die hier wohnen.

O-Ton: DVD-Ausschnitt aus ZDF-Gottesdienst in Marxloh, 3. Juni 2007

Lied: „Wir haben Gottes Spuren festgestellt ....“

Autorin: .Im Juni war die türkische Gemeinde noch zu Gast in der evangelischen Kirche, bei einem Fernsehgottesdienst unter dem Motto: „Es ist an der Zeit, den Dialog zu leben.“ Mit von der Partie war dabei - als Vertreterin der Moschee-Gemeinde, auch die türkischstämmige Duisburgerin Zülfiye Kaykin, eloquent und ohne Kopftuch. Die 38-Jährige ist Geschäftsführerin einer Begegnungsstätte, die unter der Kuppel der Moschee entsteht, von der EU und dem Land NRW mit über drei Millionen Euro als Integrationsmodell gefördert; Einweihung im Frühjahr 2008. Dann wird auch die Kirchengemeinde dort zu Gast dort sein. Ein langer Weg für Zülfiye Kaykin:        
     
O-Ton: Wir haben in der zweiten Generation die Erfahrung gemacht - ich hab mich geschämt teilweise. Ich hab mich für meine Mutter geschämt, für alle geschämt, die ein Kopftuch getragen haben so mit 16, 17. Und irgendwann lernt man, das ist der Selbstfindungsprozess, dass man zu dieser Religion gehört. Und damit diese Religion auch qualitativ im Mittelpunkt steht und der deutschen Gesellschaft auch erlebbar gemacht wird, muss jeder seinen Beitrag leisten. Das war für mich auch so ein Beweggrund, mich mit Herzblut an so einem Projekt zu engagieren ...   

Autorin: .... nicht nur in der Lokalpolitik oder im Geschäftsleben, sondern auch im interreligiösen Dialog. Dafür hat Zülfiye Kaykin im Juni das Bundesverdienstkreuz bekommen. Denn: Sie ist selbstbewusst und gesprächsfähig in Bezug auf ihre Religion und Herkunft. Beides ist Voraussetzung dafür, dass der Dialog gelingt. Denn nur wer seinen eigenen Glauben kennt - und liebt - kann sich auf Gespräche mit anderen einlassen. Und auf diese Weise auch die eigene Religion besser kennenlernen. Das haben Moschee- und Kirchengemeinde in Duisburg-Marxloh in einem jahrlangen Prozess erlebt. Mittlerweile sind auch Freundschaften entstanden, trotz aller Unterschiede. Pfarrer Ernst Raunig:  

O-Ton: Auf die Menschenwürde hat ja die Bibel das Copyright, auch wenn’s im Grundgesetz steht, und ich glaube, diese Menschenwürde immer wieder in den Vordergrund zu stellen, das ist sehr wichtig. Guckt genau hin, guckt auf den Menschen, guckt nicht auf das Minarett, guckt nicht auf das Kopftuch, sondern guckt auf den Menschen selbst!        

 

Audiobeitrag Moschee-Bau in Duisburg als Chance zur Integration


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