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"Ach wie flüchtig, ach wie nichtig" (eg 528)
Morgen ist ein schwieriger Sonntag: Totensonntag. Beängstigend seine Botschaft, wuchtig sein Thema. Dieser Sonntag lässt sich nicht weichspülen;
sperrig ist er und legt sich quer. Im ersten Petrusbrief steht: Denn alles Fleisch, es ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen. (1. Petrus 1,14)
Musik: Denn alles Fleisch, es ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorret und die Blume abgefallen. (Brahms Requiem)
Autor: Wuchtig die Sätze, wuchtig die Musik, wuchtig das Thema. Der Tod! Unabwendbar, unaufhaltsam. Die Herrlichkeit des Menschen: nichts. All unser Tun und Schaffen: nichts. Die drängenden Töne von Johannes Brahms hämmern es in unser Bewusstsein. So als müsse uns ausdrücklich und nachhaltig klar gemacht werden, was Generationen vor uns noch einleuchtender, akzeptierbarer war:
Choral: Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet und bald wieder untergehet, so ist unser Leben, sehet! (eg 528,1)
Autor: 450 Jahre alt sind dieser Text und seine Melodie. Wie so anderes der Ton, geradezu leichtfüßig - und wie schlicht die Wahrheit seines Textes. Sie und ich: flüchtig, nichtig wie ein Nebel, der kommt und geht und nichts bleibt zurück.
Sprecherin: Herr, lehre doch mich, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Siehe meine Tage sind eine Handbreit vor dir und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es einbringen wird. (Psalm 39, 5-7)
Choral: Ach wie flüchtig ach, wie nichtig sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rinnen und mit Laufen nicht hält innen, so fährt unsre Zeit von hinnen. (eg 528,2)
Autor: Wissen wir alles. Vom Kopf her. Klar: niemand ist unsterblich, einmal ist Schluss. Schon. Aber was tun wir nicht alles, um unserem Tod noch etwas Zeit abzutrotzen. Investieren in lebensverlängernde Maßnahmen. Die Medizin als große Kampfgefährtin. Nichts zu teuer für die, die es sich leisten können. Neue Medikamente, neue Organe, neue Apparate und doch die alte Angst, Angst ohne Ende vor dem Ende. Doch: Alles Fleisch, es ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume.
Musik: Denn alles Fleisch es ist wie gras und alles Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. (Brahms Requiem)
Sprecherin: Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.
Autor: Und selbst diese wunderbaren Verse des Rainer Maria Rilke können über die unabdingbare Endlichkeit unseres Lebens nicht hinwegtrösten. Er wird mehr tun, der Tod, als in uns weinen. Mit leichter Gebärde nimmt er alles.
Choral: Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Freude. Wie sich wechseln Stund und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried und Streiten, so sind unsre Fröhlichkeiten. (eg 528,3)
Autor: Das alles ist schwer auszuhalten. Und doch muss das gerade sein. Wer vorschnell den Tod auflösen möchte, wer ihn nicht wahrhaben will, wer Zeit seines begrenzten Lebens immer so tun will, als müsse man nur die Augen fest verschließen und dann würde er, der Tod, uns nicht mehr sehen; der Tod, der selbst ohne Augen jeden von uns finden wird. So werden wir Zeit unseres Lebens auch unserer Angst vor dem Tod nicht Herr werden. Und die Weisheit jener biblischen Zeilen wird uns nicht erreichen:
Sprecherin: Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Hebr.13,14)
Autor: Muss nicht doch jetzt endlich von der christlichen Auferstehungshoffnung geredet werden? Von der Hoffnung, dass doch alles gar nicht so schlimm sein wird? Haben wir doch den Kronzeugen dafür in unseren Reihen, den Apostel Paulus:
Sprecher: Christus ist auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die Entschlafen sind. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: wir werden alle verwandelt werden, die Toten werden auferstehen unverweslich und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? (1. Kor. 15 div.)
Musik: Air (Joh. Seb. Bach)
Autor: Große Wort, wuchtige Worte, wuchtig das Thema: der Tod des Todes. Die Auferstehung. Unsterblichkeit. So einfach? Unsere Angst jetzt wie weggeblasen? Das eherne Gesetz des Sterbens zerbröselt zwischen unserer Glaubenshoffnung? Nein, so einfach nicht. Die Alten wussten es besser und glaubten dennoch.
Sprecher: Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, Hat Gewalt vom höchsten Gott, Heut wetzt er das Messer, Es schneid't schon viel besser, Bald wird er drein schneiden, Wir müssens nur leiden. Hüte dich schöns Blümelein!
Trotz! Tod, komm her, ich fürcht dich nicht, Trotz, eil daher in einem Schritt. Werd ich nur verletzet, So werd ich versetzet In den himmlischen Garten, Auf den alle wir warten. Freu' dich, schönes Blümelein.
So schließt sich dann der Kreis zur Weisheit der Bibel:
Sprecherin: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. (Offb. 14,13)
Autor: Auch wenn wir Christen über den Tod hinaus hoffen. In unserem Leben wird er seinen Schrecken behalten. Wir werden vergehen und fallen aber durch ihn hindurch in Gottes Hand. Wie geschrieben steht: Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rührt sie an. (Weish. 3,1)
Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer Ger Höft aus Düsseldorf über den Choral Ach wie flüchtig, ach wie nichtig. Es sang der Windsbacher Knabenchor.
"Ach wie flüchtig, ach wie nichtig" (eg 528)
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