Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.11.07, Vikar Michael Coors

Verfahren, verrannt, umgekehrt

Neulich bin ich umgekehrt. Ich hatte mich mit dem Auto verfahren. Ich dachte, ich kenne mich aus. Doch dann habe ich auf dem Autobahnschild gesehen, dass ich falsch bin.

Also habe ich auf die Karte geguckt und bin zurückgefahren. Ich habe dadurch mindestens eine halbe Stunde verloren. Umkehren zu müssen, ist manchmal ganz schön ärgerlich.

Und oft ist es auch schwer. Zum Beispiel, wenn ich mich streite. Da dreh ich mich auch schon mal zornig um und will gehen. Doch dann bleibe ich stehen – ich kämpfe mit mir selbst – schließlich drehe ich mich um und geh zurück und dann versuchen wir doch noch einmal miteinander zu reden.

Auch das ist eine Art umzukehren, nicht äußerlich, sondern innerlich. Ich habe mich innerlich verrannt und such nach dem Weg. Ich muss mir überlegen: Will ich da wirklich hin, wo ich mich gerade hingewendet habe: weg vom anderen? So wie ich, als ich mich mit dem Auto verfahren habe, nach dem Weg suchte, so habe ich auch hier nach einem Weg gesucht.

Aber, auf welche Karte gucke ich eigentlich, wenn ich innerlich umkehre? Wenn ich mich mit dem Auto verfahren habe, dann nehme ich den Straßenatlas. Doch wenn ich mich im Leben innerlich verlaufen habe? Habe ich eigentlich ein Ziel? Habe ich einen Plan, wo es lang geht im Leben?

Und nun einfach, gut fromm, zu antworten: „Die Bibel ist der Plan“ - das wäre mir zu einfach. Aber richtig daran ist schon, dass ich als Christ in der Bibel eine Hilfe habe, die mir im Leben Orientierung gibt. Zwar steht in ihr nicht einfach das Ziel für meinen Lebenslauf und auch nicht die Antwort auf alle Probleme des Alltags, aber ich finde in der Bibel doch eine Menge Hinweise darauf, was zum Ziel führt und was nicht. Und zumindest die grobe Richtung ist dabei klar: Gott entgegen! Die Frage: „Wo geht es in meinem Leben hin?“ ist mir damit nicht abgenommen. Nein, sie stellt sich jetzt erst richtig. Denn jetzt muss ich mich ja fragen: „Wo geht es denn hier in Richtung Gott?“

Wer umkehren will, soviel ist sicher, der muss erst mal anhalten – er muss innehalten und sich fragen: „Wo bin ich? Wo will ich hin?“ Der heutige Buß- und Bettag bietet genau dazu eine Gelegenheit. Er ist eine Chance, einmal einen Moment Pause zu machen, nachzudenken, und dort - wo es notwendig ist – umzukehren und neu anzufangen. „Buße“ ist nichts anderes als ein etwas altmodisches Wort für „umkehren“. Und so bietet der Buß- und Bettag die Chance, einmal zu bedenken, wo wir in unserem Leben überhaupt hin wollen. „Bin ich auf dem richtigen Weg? Oder sollte ich etwas anders machen?“ Und natürlich, es kann einen richtig ärgern, wenn man merkt: Ich bin in die falsche Richtung gegangen, ich muss jetzt mal etwas anders machen. Da ringt man oft schwer mit sich selbst - wenn man sich diesen Fragen überhaupt stellt.

Als Christ glaube ich, dass ich in diesem Ringen nicht allein stehe. Ich kann mich an Gott wenden, im Vertrauen darauf, dass er mehr Überblick darüber hat, worum es in meinem Leben geht. Und deshalb ringe ich mit diesen Fragen, indem ich bete. Ich wende mich einfach zu Gott und frage: „Wo soll es hingehen? Bin ich richtig?“ Genau dazu lädt der Buß- und Bettag ein.

 

Audiobeitrag Verfahren, verrannt, umgekehrt


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