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Palliativstation
Autor: Eine Freundin von mir arbeitet seit fünf Jahren als Krankenschwester auf einer kleinen Palliativstation.
Dort werden Schwerstkranke medizinisch versorgt und menschlich betreut. Die meisten der Patientinnen und Patienten haben Krebs im Endstadium. Auch Heidi Fröhlich erkrankte vor zehn Jahren an Krebs.
O-Ton: Ich hab eben zu der damaligen Zeit gedacht, dass ich vielleicht auch sterben muss, hab unheimlich viel gelernt, hab mein ganzes Leben verändert, umgekrempelt, hab nach meinen Werten gesucht und auch gefunden heute und ganz wichtig dabei war mir, dass ich im Krankenhaus nicht so ne Arbeit mache, dieses Tägliche, wenig Zeit habe, sondern dass ich ja den Menschen besser kennenlerne, mit dem ich zu tun habe und ihm auch mehr entgegenkommen kann, mehr helfen kann.
Autor: Als Heidi Froehlich mit ihrer eigenen Endlichkeit konfrontiert wurde, veränderte sich für die damals 36-jährige ihr Leben radikal. Heute kann sie sagen:
O-Ton: Ich glaube, dass ich früher ein sehr oberflächlicher Mensch war. Und dass ich durch die Erfahrung, die ich eben gemacht habe, erstmal einen Schreck gekriegt hab natürlich und dann auch gesagt hab, ja wenn das Leben so schnell vorbei sein kann, ja, was mach ich dann jetzt daraus mit dem Rest, wo ich nicht weiß, wie lange das dauern wird. Ich hatte früher überhaupt keinen Bezug zum Glauben z.B.. Ich hab mich früher nicht so sehr für andere Menschen interessiert, die jetzt nicht so unbedingt zu meinem persönlichen Umfeld gehören. Ich hab früher nie z.B. ehrenamtliche Arbeiten gemacht.
Autor: Heute ist das anders. Heidi Fröhlich ist eine engagierte Mitarbeiterin in unserer Gemeinde, hört gerne anderen zu und gibt wertvolle Tipps. Sie besucht häufig unsere Gottesdienste, leitet einen Förderverein und mit anderen zusammen ein kleines Gemeinde-Cafe. Ihre eigene Erkrankung und die Arbeit mit Schwerstkranken hat ihr ganzes Leben verändert.
O-Ton: Erkrankung des Körpers bedeutet ja immer auch dass die Seele krank ist und dass da vielleicht auch ein Grund zu suchen ist, hab eben in alle Bereiche mal so reingeguckt und dann bin ich da hingekommen.
Autor: Dabei lernt sie heute von den Menschen, die dem Tod schon direkt ins Auge sehen. Besonders beeindruckt ist sie bei ihren Patientinnen und Patienten,
O-Ton: Dass die Dinge sehen, die wir täglich gar nicht mehr wahrnehmen, dass die sich freuen können, wenn sie ne Stunde im Wintergarten sitzen und jetzt die bunten Blätter begucken oder sagen: Ach, da steht aber nen schöner Ahorn, und ich hab schon zehn mal aus dem Fenster geguckt und hab noch nicht mal gesehen, dass da ein Ahorn steht.
Autor: Es ist eine neue Sicht auf das Leben, die ihnen das Sterben und der Tod vermittelt. Gerade am Samstag vor Totensonntag kann die Erfahrung von sterbenden Menschen eine wichtige Stimme für eigene Überzeugungen und Fragen sein.
O-Ton: Es gibt ganz wenig Menschen die sagen: Glauben spielt für mich gar keine Rolle. Es gibt mehr Menschen, die sagen: Ja, es hat für mich lange keine Rolle gespielt, aber jetzt ist es für mich wichtig, dass ich bete, dass mich auch ein Seelsorger besucht. Das wird im Erstgespräch oft schon deutlich, wie wichtig das ist.
Autor: Und was würde sie sich selbst wünschen, wenn sie einmal sterben muss?
O-Ton: Ich würde mir Menschen wünschen, die ich mag, die auch bei mir sind, wobei ich auch weiß, dass ich den Zeitpunkt, wo ich sterbe, dass ich den selber bestimme und ich würde mir ein Gebet wünschen ich würde mir Musik wünschen. Das stelle ich mir so vor. Ich möchte einfach ich sein.
Palliativstation
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