Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.11.07, Stephan Kiepe-Fahrenholz

Nürnberger Prozess

Nürnberg, 20. November 1945. Hier haben sich Hitler und die Nazi-Prominenz alle Jahre wieder auf pompösen Parteitagen abfeiern lassen. Jetzt ist der Krieg aus.

Die Stadt fast völlig zerstört. Im Justizgebäude beginnt ein denkwürdiger Prozess. Angeklagt sind 23 Führungskräfte des so genannten Dritten Reiches. Der Schriftsteller Erich Kästner, selbst ein Verfolgter des Nazi-Regimes, schreibt: „Jetzt sitzen also der Krieg, Pogrom, der Menschenraub, der Mord en gros und die Folter auf der Anklagebank.“

Die Angeklagten halten sich für unschuldig. Jedenfalls als „nicht schuldig im Sinne der Anklage“ bekennen sie. Alle hätten sie nur auf Befehl gehandelt. Und von den Verbrechen hätten sie nichts gewusst.

Alle werden sie verurteilt. Warum ich nach über 60 Jahren daran erinnere? Es gibt viel zu viele, die einen Schlussstrich unter diesen Teil der deutschen Vergangenheit ziehen wollen. Das ist falsch. Krieg, Pogrom, Menschenraub, Massenmord und Folter gibt’s immer wieder. Bis heute. Und morgen auch. Und immer wieder wird es so sein, dass keiner verantwortlich sein will.

Deshalb ist es so wichtig, auch über die Generationen hinweg die Erinnerung daran wach zu halten, dass unter Menschen das unvorstellbar Schreckliche, Gott sei’s geklagt, sehr wohl vorstellbar ist – und daran, dass trotzdem am Ende die Gerechtigkeit eine Chance hat. Gott sei Dank.

Sprecher: Michael Birgden

 

Audiobeitrag Nürnberger Prozess


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