Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.11.07, Stephan Kiepe-Fahrenholz

Buß- und Bettag

Heute ist arbeitsfrei. Allerdings nur im Freistaat Sachsen. Das ist das einzige Bundesland, in dem es den Buß- und Bettag noch gibt.

Im übrigen Bundesgebiet wurde er als gesetzlicher Feiertag vor 12 Jahren abgeschafft. Der Arbeitstag mehr sollte die Steigerung der Lohnnebenkosten auffangen, die mit der Einführung der Pflegeversicherung verbunden war.

Dass das nicht geklappt hat, weiß heute jeder. Der Buß- und Bettag wurde aber deswegen keineswegs wieder eingeführt. Kein Wunder. Denn dass er überhaupt abgeschafft werden konnte, liegt wohl daran, dass die meisten mit dem Begriff „Buße“ nicht mehr allzu viel anfangen können.

In der ersten seiner berühmten 95 Thesen hat Martin Luther gesagt, dass mit der Aufforderung „Tut Buße“ gemeint ist, „dass unser ganzes Leben Buße sein soll“. Das heißt: Buße ist keine Strafe, sondern eine Haltung, in der zum Ausdruck kommt, dass ich mein Leben nicht aus dem Vertrauen auf meine eigenen überragenden Fähigkeiten, sondern aus dem Vertrauen auf Gott in die Hand nehme.

Dass ich meine Grenzen kenne und ernst nehme, nicht alles alleine kann und alleine weiß, auf andere angewiesen bin und selbst noch im Erfolg Anlass zur Bescheidenheit habe – das ist Buße. Sie befreit von Leistungsdruck und hilft zu einer realistischen Selbsteinschätzung. Genug Grund also, darüber gelegentlich nachzudenken.

Sprecher: Michael Birgden

 

Audiobeitrag Buß- und Bettag


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