Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.11.07, Pfarrerin Viktoria Keil

"Trauerzug - Lebenszug"

Manchmal warten wir auf Wunder, liebe Hörerin, lieber Hörer! Eine Frau erzählte mir: Ich wartete immer noch auf ein Wunder -

selbst beim Trauerzug zum Grab meines Mannes hab ich noch gehofft, dass gleich etwas passiert. Gott hilft mir irgendwie und alles ist wieder wie zuvor und mein Mann ist wieder lebendig an meiner Seite. Erst als dann die Erdklumpen auf den Sarg klopften, hatte ich das Gefühl: Jetzt ist alles aus!

Viele Trauernde schaffen es nur mit Mühe beim Trauerzug zu bleiben und zum Grab zu gehen. Denn dort wird unabweisbar deutlich, dass etwas unwiderruflich zu Ende ist. Der Schmerz ist unübersehbar und kann nicht mehr verdrängt werden.

Lukas erzählt, wie Jesus solch einen Trauerzug anhält. Eine Witwe trägt ihren Sohn zum Grab. Nach dem Verlust des Mannes muss sie nun auch noch den Sohn loslassen. Dieser Lebenskummer ist tief greifend: Ihre Lebensgemeinschaft ist zerbrochen und nebenbei ihre Alterssicherheit verloren, denn die Jungen mussten für die Alten sorgen. Auf sich allein gestellt, blieb einer Frau oft nur der Weg ins Elend. Jesus spürt ihre abgrundtiefe Trauer. Er sieht den ganzen Jammer und spricht mit ihr:

Weine nicht! Deine Trauer ist vorbei! Jesus berührt den Sarg (Lk 7, 14) und befiehlt dem Sohn aufzustehen. Der Tote richtet sich auf, als wäre nichts geschehen und kehrt ins Leben und zu seiner Mutter zurück.

Das Wunder kann ich wissenschaftlich nicht erklären.Und die Diskussionen, ob so etwas möglich ist oder nicht, interessieren mich auch nicht wirklich.

Ich sehe es so: Jesus heilt unsere Aussichtslosigkeit: Wenn wir empfinden, dass wir am Ende sind, weil der Tod uns einen Menschen weggenommen hat, den wir geliebt haben. Wenn wir uns schuldig fühlen, weil wir unsere Lebensgrundlage vor die Wand gefahren haben, weil finanziell nichts mehr geht und die Schuldenfalle zugeschnappt ist. alles, was wir für unabänderlich halten, das kann Jesus wenden. Er widerspricht unserem Jammer, dass alles aus ist: Wenn wir keinen Blick mehr wagen und in der Ecke stehen, spricht er uns an:

Weine nicht! Deine Trauer ist vorbei!

Das Wunder erschließt mir eine Erfahrung, die ich in meinem Leben machen kann. Komm, dreh dich mal um: Du hast mehr Möglichkeiten, als du denkst. Solange du lebst, ist nichts aussichtslos.Jesus stellt sich an deine Seite gegen den Tod und den Jammer: Weine nicht, ich mach das Leben in dir stärker, vertrau mir und es wird gehen. Anders vielleicht als du es dir vorstellst, aber immer so, dass du neu anfangen kannst.

Audiobeitrag "Trauerzug - Lebenszug"


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