Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.11.07, Pfarrerin Viktoria Keil

"Das Reich Gottes finden"

Liebe Hörerin, lieber Hörer! Am Ende einer Woche voller Wundergeschichten ist es wohl an der Zeit vom Wunder des Reiches Gottes zu erzählen.

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und wieder verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte und kaufte den Acker, um den Schatz zu besitzen, der ihm so unverhofft in den Schoß gefallen war. Und wagt dabei sein ganzes Vermögen, um diesen Schatz zu heben. Die Sehnsucht, diesen Schatz in Händen zu halten, lässt ihn jedes Risiko eingehen. So verhält es sich mit dem Reich Gottes, sagt Jesus. Es liegt bereits in deinem Lebensacker. Verborgen zwar, aber auch so, dass du es durchaus finden kannst. Und wenn du es gefunden hast was machst du dann? Das Reich Gottes ist zwar da, aber dennoch nicht so leicht zu haben. Denn Mut wird gebraucht. So ein Schatz ist nicht einfach so zu heben: Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und auf den Zauber warten. So funktioniert es nicht. Verzicht ist nötig, auf alles, was dir bisher so wichtig und unverzichtbar schien. Abschiednehmen auch von der ruhigen Sofaecke deines Lebens, worin du dir es so schön kuschelig gemacht hast. Denn jetzt wird geackert. Furche um Furche muss dein Leben neu gepflügt werden, bis der verborgene Schatz ans Licht kommt.

Dann stellt sich die Frage: Was ist dir das Reich Gottes wert? Setz ich mich aufs Sofa oder setz ich mich ein? Jesus ist da ganz eindeutig: Setz viel ein! Am besten alles. Am Ende wirst du mehr und besseres haben als je zuvor. Dein Einsatz wird sich über alle Maßen lohnen.

Die erfahrenen Kräfte des Hospizdienstes erzählen oft davon: Wie es ist, jederzeit bereit zu sein, um vollen Einsatz zu zeigen, damit ein Mensch in seiner letzten Lebenszeit nicht allein ist. Menschen an seiner Seite hat, die ihn begleiten, die ihm beistehen, und da sind. Wenn der Dienst gelingt, dann leuchtet er auf einmal auf, der Schatz im Acker; dann ist es auf einmal da, das Reich Gottes, in dem wir schon jetzt miteinander leben können in Gottes Nähe. Das Himmelreich ist dann ganz nah herangekommen, ganz irdisch und diesseitig.

Die unermüdlichen Leute der Tafelarbeit in unserer Kirchengemeinde verzichten dabei auf manche Ruhezeit auf dem Sofa, manchen Saunatag oder Wellnessangebot, um Kisten voller Lebensmittel aus den beteiligten Einkaufszentren herbei zu schleppen, Gemüse zu putzen und Lebensmittel zu sortieren. So werden Lebensmittel bereitgestellt für Menschen, die sich trauen unsere Hilfe anzunehmen, damit sie es leichter mit Hartz IV durch die Woche schaffen. Es macht Freude, bei denen ein Lächeln hervorzulocken, die nicht viel zu lachen haben. Sie freuen sich, weil sie darin den Anfang vom Reich Gottes erkennen! Diese Freude bleibt nicht auf das innerliche Gefühl begrenzt. Sie steckt an. Sie ist tief und bejaht das Leben. Sie ist wie ein Wunder.

Audiobeitrag "Das Reich Gottes finden"


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