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"Mirjam"
Wunder haben manchmal eine musikalische Dimension, liebe Hörerin, lieber Hörer! Ein Urwunder der Bibel ist ein Lied Es entstand ungefähr 1500 v. Christus:
Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan, Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt. Das Wunder dieses Liedes ist die Rettung vieler Menschenleben:
Die Israeliten sind der Sklaverei in Ägypten entflohen, aber das unüberwindbare Schilfmeer liegt vor ihnen. Hinter ihnen stürmen die Soldaten des Pharaos heran. Gott öffnet ihnen den Weg und sie finden nicht den Mut zum ersten Schritt. Sie sitzen in der Klemme: Sterben durch die Soldaten des Pharao oder ertrinken im Meer.
Mirjam, die Schwester des Mose, greift zur Pauke. Singend und tanzend zieht sie vor den Erstarrten und Ängstlichen her. Die Musik reißt alle mit. Sie sind gerettet. Die herandrängenden Soldaten mit Streitwagen und Pferden setzten ihnen nach und versinken im Matsch und Wasser. Menschenleben werden gerettet durch eine, die auf die Pauke haut und singt.
Die Ur-Erfahrung unseres Glaubens ist ein Lied. Unsere Lebenserfahrung wird vom Schwung der Musik mitgerissen. Du kannst auf einmal gehen und weißt gar nicht wie, spürst noch den Herzschlag der nahen Angst. Der Herzschlag verwandelt sich in einen Taktschlag, und führt zu deiner Musik: So stimmen wir ein in das Lied, wie Gott uns in die Freiheit führt.
Die Musik wird zu einer Kraft, die uns ans rettende Ufer trägt: Von der zitternden Ängstlichkeit trägt sie uns zu überschwänglicher Freude. Wer ein Wunder erlebt, singt. Wenn mir die Worte fehlen, dann leihe ich mir welche im Gesangbuch. Musik und Texte, die schon unsere Mütter und Väter durchs Leben getragen hat.
So wie es von einem großen Theologen des 20.Jahrhunderts Karl Barth erzählt wird. Als er im November 1934 aus politischen Gründen sein Amt als Professor verliert, fehlen ihm die Worte. Seine Kritik an den Nazis hat ihn sein Amt gekostet, soll er seine Studenten auch noch gefährden? Da singt er mit seinen Bonner Studenten, bevor er das Unigebäude endgültig verlässt, eine Liedstrophe aus dem Gesangbuch: Der ewigreiche Gott, wollt uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben, und uns aus seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort. Die Studenten werden ihn verstanden haben: Gott wird unsere Not wenden.
So, wie es der 80-jährigen schwarzen Südafrikanerin erging: Ein kirchlicher Wahlbeobachter, der die ersten freien Wahlen in Südafrika miterlebte, berichtete: Es war in irgendeinem Wahllokal in Oranje; am ersten Wahltag sollten nur die Alten wählen. Gleich nach der Öffnung kam eine fast blinde, weit über 80 Jahre alte Frau mit verhärmten Händen und gekrümmtem Rücken. Sie hatte lebenslang gearbeitet und war Analphabetin. Sie bekam die Wahlprozedur mit dem Zettel, den Symbolen und Bildern der Parteivorsitzenden liebevoll erklärt. Dann hielt sie den Wahlzettel ganz dicht vor ihre Nase, und plötzlich strahlte sie, weil sie das Bild Nelson Mandelas entdeckt hatte. Sie zeigte stolz darauf, machte das Kreuz an der richtigen Stelle, faltete den Wahlzettel und hielt ihn hoch wie eine Trophäe und tanzte. Sie tanzte durch das Wahllokal und sang auf Kisuaheli von Gottes Wunder und umarmte die weinenden Wahlbeobachter.
"Mirjam"
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