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"20 Jahre Krankenlager"
Wir haben ganz klare Vorstellungen, wie ein Wunder geschehen soll, liebe Hörerin, lieber Hörer! Wir haben ein festes Ziel vor Augen: Ist dies mit unseren Methoden,
seien es wissenschaftliche oder medizinische, nichts mehr machbar, bemühen wir den Wunderglauben. Mit der biblischen Vorstellung eines Wunders hat das wenig zu tun: Das Wunder ist so tief greifend anders, als wir es uns vorstellen. Auch gleicht kein Wunder Jesu dem anderen. So wie kein Lebensschmerz dem anderen gleicht.
Einmal begegnet Jesus einer Frau, die sich seit 18 Jahre nicht mehr aufrichten kann. Der Rücken dieser Frau ist gekrümmt. Ihre Krankheit hat sie zur Außenseiterin in einer gesunden Gesellschaft gemacht. Ihr Leben hat sich abgekapselt. Alles wird beschwerlich. Sie hat nur noch ihr nächstes Umfeld im Blick.
Gebeugt und müde durch Jahrzehnte lange Krankheit. Dann begegnet sie Jesus.Er berührt sie und richtet diese Frau auf. Ihr Blick geht wieder ins freie unbekannte Land ihrer Umwelt. Ihr Leben öffnet sich für ganz andere Möglichkeiten. Der Blick weitet sich über uns selbst hinaus.
Ich lernte eine Frau kennen, die sich nach mehreren Schlaganfällen nicht mehr bewegen konnte. Ihr Leben war auf ihr Wohn- und Schlafzimmer beschränkt. Meine Vorstellung von einem Wunder war ganz klar: wie wunderbar wäre es, wenn sie wieder nach draußen gehen könnte, die Jahreszeiten nicht nur durchs Fenster sehen, sondern die Sonne und den Regen auf der Haut spüren. Bei einem Besuch sprachen wir darüber. Und musste verwundert von ihr hören: Meine ganze Kindheit habe ich in der Natur erlebt, und bis zu meinem Schlaganfall war ich so oft es ging draußen. Aber so ist das eben, das geht nicht mehr. Und doch hat Gott mich nicht vergessen! Ich sehe immer noch so viel, aber ganz anderes! Heute Morgen habe ich die Bundestagsdebatte verfolgt, war sehr interessant. Darum habe ich mich früher nicht gekümmert.
Der Mut dieser Frau, ihr Leben anzunehmen, war das eigentliche Wunder. Das Wunder war täglich zu erleben: Diese Frau war aufgerichtet: Sie sah ihre Umwelt, nahm teil am politischen Denken, blieb mit ihrer Familie im ständigen Austausch, diskutierte mit den Schwestern der Diakonie.
Meine genormte Vorstellung von Wundern wurde in den Jahren gründlich überholt: Wir waren voller Mitleid und lernten das Staunen, wir wollten diese Frau aufrichten und wunderten uns, dass wir von ihr aufgerichtet wurden. Als sie nach über 20 Jahren Krankenlager starb, wurde uns klar, was sie für uns getan hat.
Ihr Glaube hat ihr und uns geholfen. Diese Hilfe geht über unsere Vorstellung hinaus. Wenn wir es mit Gott zu tun haben wollen, haben wir es mit seinem zähen, sturen Willen zum Leben zu tun. Er überschreitet die Grenzen unserer Vorstellungskraft.
"20 Jahre Krankenlager"
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