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"Lebensernte"
Liebe Hörerinnen und Hörer! Im Oktober steht Ernten auf dem Programm. Eine Zeit die erzählt, dass sich Aussaat und Einsatz, Pflege und Geduld lohnen.
Unsere Bauern im Rheinland feiern zu Recht ihre Erntefeste. Da wird ein verdientes Erntepaar gekrönt, und beim Dorfumzug darf jeder Trecker farbenprächtig zeigen, was in den letzten Wochen aus der Erde herausgeholt wurde. Es ist eine vermischte Geschichte aus menschlichem Fleiß und göttlichem Segen, die sich da vor unseren Augen abspielt. Ich stehe dann gern am Straßenrand und winke dem Erntekönig zu.
Und da ich mich selber auch schon ein wenig im Herbst des Lebens fühle, denke ich zurück an mein Aussäen - und die Früchte meines Lebens. Denn wenn man als junger Mensch auf das Feld des Lebens geht, weiß man längst nicht im Vornherein, was - und ob überhaupt - irgendwann einmal Blumen und Blüten aufgehen. Ich stelle mir vor, dass eigentlich jeder Mensch die Aufgabe erhält, drei Beete anzulegen: Eines auf dem Beziehungen wachsen sollen. Daneben das, was er beruflich anbauen möchte. Und schließlich den entspannenden Garten des Lebensgenusses. Und weiter glaube ich, dass zunächst für alle drei gleichermaßen eine Pflanzanweisung gilt.
Die Bibel hat den Satz bewahrt: Diejenigen, die unter Schweiß und Tränen aussäen, werden einmal mit Freuden die Ernte einbringen. Wachsen ist nämlich kein Kinderspiel. Eine Ehe gestalten, Kinder ins Leben einführen, eine Beschäftigung finden, wirklich entspannen zu können. Es bedarf in der Tat des Schweißes der Fleißígen, Tüchtigen, Phantasievollen und Willigen, dass nicht gleich das erste Unwetter das Beet überschwemmt; oder während der ersten Dürreperiode die Erde völlig austrocknet. Natürlich geht die Bibel davon aus, dass ohne den himmlischen Segen unser gesamtes Ackerwerk von vornherein unter einer ungünstigen Witterung steht. Aber es ist längst nicht so, dass wir bei unserer Lebensernte nur zuschauen und die Hände öffnen müssten.
Wer gesegnet ist und selber reichlich aussät, der wird auch im Segen ernten, umschreibt der Apostel Paulus unseren Erntebeitrag. Also, nur ja nicht auf dem Feld der menschlichen Beziehungen allzu schnell den Spaten fallen lassen. Was haben wir als Eltern viele Jahre an Geduld aufbringen müssen, wie viel unverständliche Furchen unserer Kinder haben wir mühselig nachvollziehen müssen, bis sie dann doch jetzt mehr oder minder dort angekommen sind, wo sie selber die Früchte ihrer Entscheidungen zu pflücken bereit sind. Und nicht anders sieht die Liebe zwischen zwei Menschen aus.
Ich weiß wohl, dass ein Ehebeet überwuchern kann und dann nur durch einen klaren Unkraut-Schnitt wieder Luft und Licht erhält. Aber es gibt eben auch die Möglichkeit, in unvorstellbarer Geduld eine Beziehung so mit Aufmerksamkeit, Verständnis, Vergebung und Güte zu düngen, dass am Ende des Lebens eine Goldene Krone über der Hausgirlande hängt. Dann stehe ich am Lebensrand und überblicke als nächstes noch einmal das Feld meiner Arbeit. Da ist mir auch längst nicht alles geschenkt worden. Oder automatisch gelungen. Menschen rackern sich ab. Sie sind fähig, eine Menge zu lernen. Und ganz viel Neues auszuprobieren. Aber das geht - bei allem Segen von Oben - nicht von allein. Und manchmal sät man auch seine Kräfte an einem Ort aus, der partout schlecht bewässert erscheint und seine Früchte verweigert. Dann hilft es manchmal, weiter zu ziehen, ein neues Arbeitsfeld zu roden, um es am Ende dann doch noch fruchtbar werden zu lassen.
Die Bibel kennt die Lust des Erfolges und schreibt: Einmal wird man sich so freuen wie am Tag, wenn eine große Ernte eingefahren wird; und fröhlich sein, wenn man die Früchte seiner Arbeit genießt und verteilt. Und nach dem Feld der Beziehungen und dem Acker der Arbeit sehe ich am Straßenrand beim Umzug der Erntewagen schließlich noch die Wildblumen vor mir, die zum Lebensgenuss ausgestreut werden. Nur ja nicht aufgeben, ein Instrument zu spielen, hat man mir zu Hause beigebracht. Da gibt es Durststrecken, sicherlich. Aber eines Tages wirst Du Stücke voller Glanz und Harmonie aus den Notenblättern pflücken. Oder da gibt es so viele Kräuterbeete, die zum Geschmack eines gelungenen Essens Wesentliches beitragen. Man muss halt nur kochen lernen. Oder laufen. Oder singen. Oder einfach nur nachdenken.
Treue Ackerarbeit im Garten des Lebens lohnt sich. Das zeigen mir die Erntekönige auf ihrem Wagen. Denn sie sind schon heute unterwegs, ein bisschen jedenfalls, in den Garten Eden hinein, auf dem Weg ins Paradies.
"Lebensernte"
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