Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.10.07, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Unsere Generationen

Musik: The Zimmers, My Generation LC-Nr.:/People try to put us d-down (Talkin\' \'bout my generation) Just because we get around (Talkin\' \'bout my generation)

Things they do look awful c-c-cold (Talkin\' \'bout my generation)
I hope I die before I get old (Talkin\' \'bout my generation).

Autor: Klingt wie „The Who“ aus dem Jahr1965, oder? “My Generation“. So etwas wie die Erkennungsmelodie einer ganzen Generation. Damals vor allem auch eine klare Ansage an die Generation der Eltern. Der Vorwurf damals: :„Ihr versucht, uns fertigzumachen. Und dann der steilste Satz des Songs: “I hope I die before I get old.“ „Ich hoffe, ich sterbe, bevor ich alt werde.“ Damit ich nicht so werde, wie ihr!

Musik: The Zimmers, My Generation
I hope I die before I get old.
This is my generation
This is my generation, baby

Autor: Wen Sie da gerade gehört haben, sind aber nicht „The Who“ 1965. Das sind „The Zimmers“. Aus dem Jahr 2007. Eine Band aus England. Durchschnittsalter: 78 Jahre. Die Band wurde gecastet, um auf die Lebensbedingungen alter Menschen aufmerksam zu machen:

Einsamkeit, Altersarmut, Ausgrenzung durch die Generation der jüngeren. Im Video zum Song hält ein Bandmitglied ein Schild in die Kamera, mit der Aufschrift: „Schreib mich nicht ab, weil ich 90 bin!“  The Zimmers haben sich übrigens nach einem in England populären Hersteller für Gehhilfen benannt. Und haben mit ihrer Neufassung von „My generation“ in diesem Jahr Furore gemacht. Die Elterngeneration hat den Song der Kinder gecovert. Und sagt, dass aus dem Gegeneinander der Generationen ein Miteinander werden muss.

Musik: The Zimmers, My Generation
I hope I die before I get old.

Warum „The Zimmers“ trotzdem fröhlich klingen? Das liegt, glaube ich, nicht nur am Rock’n Roll von „My Generation“. Das liegt daran, dass sich hier Menschen ernstgenommen fühlen. Weil Sie wissen, dass die Öffentlichkeit sie wahrnimmt. Weil sie das Gefühl haben, etwas zu bewegen. Weil sie als „die Alten“ den Jungen etwas zu sagen haben. Und gehört werden. Im Internetportal YouTube wurden „The Zimmers“ bereits millionenfach aufgerufen.

„Du sollst deine Eltern ehren“ sagt die Bibel und mir scheint, „The Zimmers“ fordern genau das. „Ehren“ heißt ja nichts anderes als „achten“, also „wahrnehmen“. Nicht für überflüssig erklären. Nicht zum „alten Eisen“ zählen. Nicht abschieben. Nicht abschreiben. The Zimmers machen klar, dass es an der Zeit ist, nicht mehr nur von „My generation“, von meiner Generation zu sprechen, sondern von unseren Generationen.

Sicher: „Jugend“ muss sich von den „Alten“ auch abgrenzen dürfen. Und „die Alten“ müssen die Jungen auch nicht immer verstehen. Aber mehr als je müssen wir die Bedürfnisse und Interessen aller Generationen im Blick halten. Und in unserer Zeit gerade die der Älteren. Stichwort: Pflege – TÜV für Altenheime. Und was sonst noch Katastrophales in diesem Jahr zum Thema Alt – Sein in Deutschland ans Licht gekommen ist.

Die Alten zu verachten ist auch Menschenverachtung. Wer die Alten für „Restposten“ der Gesellschaft hält, hat außerdem noch nicht begriffen, dass er selbst bald zu den Alten zählen wird. „Du sollst deine Eltern ehren“ ist deshalb auch eine Vorsorge für das eigene „Alt - Sein“. Und es gibt nicht wenige Alte, die behaupten, nichts käme so schnell, wie das Alter.

Musik: The Zimmers, My Generation
This is my generation.
This is my generation, baby.

Audiobeitrag Unsere Generationen


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