|
Kinder ehren
Autor: Als er 15 war, trennten sich seine Eltern. Für meinen Schüler Tobi ein tiefer Schock.
O-Ton: Als mein Vater ausgezogen war, da ist für mich mein Leben vorbei gewesen, weil mein Vater meine einzigste Bezugsperson war. Und als ein Jahr später meine Oma noch gestorben ist, die noch die letzte Person war, mit der ich reden konnte hat sich halt mein Leben um 180 Grad gedreht.
Autor: Tobi blieb zurück mit seiner Mutter. Mit ihr und der neuen Situation kam er nicht klar:
O-Ton: Ich hab weder was für die Schule getan, noch Hausaufgaben. Und wenn ich dann abends zurückkam, wenn ich mal wirklich früh zurück war weil meistens war ich in der Woche bis 5 Uhr Morgens draußen wenn ich dann mal um 9 Uhr Abends zu Hause war, dann hat meine Mutter entweder geschlafen, oder, wenn ich ihr was erzählen wollte, dann hat sies nicht interessiert. Hat mir nicht zugehört. Oder sie wollte unbedingt Fernsehen gucken.
Autor: Tobi verlor die Kontrolle über sein Leben.
O-Ton: Ich wurde kriminell, so gesehen. Ich hatte öfters Stress mit der Polizei gehabt. Wir haben mit Drogen gedealt, wir haben Drogen selber genommen. Wir waren fast jeden Tag besoffen gewesen. Also wer mich schon schief angeguckt hat, den hab ich nicht nur schief angeguckt, den hab ich sofort geschlagen. Das war mir dann egal.
Autor: Und auch von seinen Freunden bekam Tobi keinen Halt und keine Orientierung. Im Gegenteil: Über seinen besten Freund von damals sagt Tobi:
O-Ton: Der war auch ziemlich kriminell zu der Zeit. Der hat halt gesagt: Wir machen jetzt das und das. Und wenn ich gesagt hab: Nee, mach ich nicht mit, dann hat er gesagt: Dann brauchst du- dich hier nicht mehr blicken lassen. Aber da er dann in dieser Zeit die einzigste Person war, die ich hatte, hab ich natürlich mitgezogen und nach einer Zeit hab ich einfach nicht mehr gesagt: Nein, sondern ich hab es einfach gemacht.
Autor: Irgendwann hat zum Glück doch jemand Tobi noch erreicht. Sein damaliger Lehrer hatte Tobis Entwicklung verfolgt und warnte ihn eindringlich:
O-Ton: Und mein eigener Klassenlehrer hat zu mir gesagt, wenn du so weiter machst, hast du keine Zukunft. Das sieht auch so aus, dass du überhaupt keine hast. Du brauchst eigentlich nicht mehr viel zu machen.
Autor: Für Tobi war das der Auslöser zur Umkehr. Wieder eine 180-Grad-Kehre in seinem Leben. Um die zu schaffen, suchte er einen Gesprächspartner und fand seinen Vater, der ihn zu seinem Glück aufnahm. Und für Tobis Leben fortan klare Regeln setzte:
O-Ton: Regeln sind bei dem das A & O. Er setzt Regeln auf, wer die nicht befolgt, der wird mit Strafen rechnen. Ist egal, wie alt man ist. Und das ist halt ein Punkt gewesen, das hat mir auf einmal gut getan.
Autor: Du sollst deine Eltern ehren! das alte biblische Gebot kennt jeder. Die Umkehrung gibts aber auch. Lasst eure Kinder nicht verbittern heißt die. Auch die Kinder gehören geehrt. Achtung durch Beachtung. Mir scheint, das ist in unserer Zeit genau so wichtig, wie die Achtung der Bedürfnisse der älteren Generationen. Tobis Vater hat gezeigt, wie das geht:
O-Ton: Mein Vater war der Erste, der gesagt hat: Hör mal, wenn du nach Hause kommst, du kannst mir ruhig was von deinem Tag erzählen. Weil, ich möchte ja mit Teil an deinem Leben haben. Weil - ich bin dein Vater. Ich will schon wissen, was abgeht in deinem Leben.
Autor: Er nahm seinen Sohn ernst. Er setzte Grenzen und gab Orientierung. Vor allem: Er schenkte seinem Sohn Zeit. Interessierte sich für ihn. Mehr noch als alle Regeln hat das Tobi von der schiefen Bahn geholt: Dass sein Vater für ihn da war. Bedingungslos. Und offen, egal was Tobi zu erzählen hatte:
Kinder ehren
|