Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.10.07, Eva Zoske-Dernóczi

Mut tut gut!

O-Ton: „Die Kinder, die wir betreuen, sind nicht die, die schon mit drei Jahren Geigenunterricht, Sportunterricht und Fußballverein machen.

Es sind die Kinder, die eigentlich zu Hause sitzen, vor sich hindümpeln und mitkriegen, wie Vater und Mutter sich streiten.“
 
Autorin: Es sind die Kinder, die sich schon im Kindergarten auffällig verhalten. Die sehr aggressiv sind oder im Gegenteil stumm in einer Ecke sitzen. Es sind die Kinder, über die viel in den Medien zu hören ist. Wenn wieder von Hartz IV die Rede ist und von Kinderarmut. Einer der nicht nur redet, sondern auch handelt, ist der Schulpfarrer Daniel Boksa. Seit zwei Jahren engagiert er sich in seiner Freizeit für das Projekt: „Mut tut gut!“. Als Berater besucht er zusammen mit einer Kollegin Familien, die unter schwierigen Bedingungen leben.  

O-Ton: „Wir sind ein Team, Frau und Mann. Wir werden dann angesprochen, Kontakt zur Kindertagesstätte aufzunehmen oder die Kindertagesstätte macht einen Kontakt der Eltern zu uns. D. h. sie sagt: Wir wissen da was Gutes. Da gibt es eine Gruppe, die heißt: „Mut tut gut!“ Gehen sie da mal hin! Es ist quasi wie eine Einladung zu einer Gruppe.“

Autorin: Auch wenn das Projekt vom Jugendamt und der ev. Kirchengemeinde Leverkusen – Schlebusch getragen wird, sind diese beiden Berater kein verlängerter Arm des Jugendamtes. Sie sind freie Mitarbeiter, unterstützen Eltern auch bei der Freizeitgestaltung. Helfen denen, die selbst nie gelernt haben, wie man Zeit gut und sinnvoll mit Kindern verbringen kann.

O-Ton: „Wir sollen oder wollen nicht an die Stelle der Eltern treten. Sondern uns ist es wichtig, die Eltern anzuleiten, pädagogisch mit dem Kind umzugehen. Junge Eltern z.B. sind häufig überfordert. Ich denke, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern in der Schule Englisch, Mathe, Deutsch und alles Mögliche beibringen, aber wir bringen ihnen leider nicht bei, wie löse ich Probleme in Partnerschaften, wie erziehe ich Kinder.“

Autorin: Daniel Boksa erhält nur ein geringes Honorar für diese Tätigkeit, engagiert sich stark dafür. Eine große Motivation ist, dass es ihm und seiner Kollegin immer wieder gelingt, Kindern und Eltern zu helfen.

O-Ton: „Ein Junge, der mir sehr im Kopf hängen geblieben ist, ist ein Kind, was eigentlich nicht richtig sprechen konnte, als es zu uns gekommen ist. Ich hab die Eltern erlebt in einer sehr großen Spannung miteinander. Und habe das Kind als zerrissen zwischen den Eltern erlebt. Und da haben wir eine sehr intensive Beratungsarbeit mit den Eltern durchgeführt und es war interessant: In dem Moment, wo die Eltern miteinander sprachfähig wurden wieder, wurde quasi das Kind auch wieder sprachfähig.“

Autorin: Neben diesen sichtbaren Erfolgen gibt es aber auch noch einen anderen Grund warum Daniel Boksa sich für das Projekt: „Mut tut gut!“ engagiert.

O-Ton: „Wenn ich anderen Menschen, die Liebe Gottes vorlebe und durch mein Vorleben zeige, wie sie lebbar wird, dann denke ich, ist im Blick auf Christentum eine ganze Masse gewonnen. Ich kann viel über Nächstenliebe reden, aber ich denke, es ist viel wichtiger, sie zu tun.“

Audiobeitrag Mut tut gut!


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