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Senfkorn
Da wird nach einer langen Odyssee durch diverse Kliniken einer Bekannten endlich die richtige Diagnose gestellt und sie wird doch gesund.
Da lernt meine Freundin ihren jetzigen Verlobten kennen und kann endlich nach einer langen Zeit der Einsamkeit wieder aufatmen und glücklich sein. Da begegne ich einem Menschen, der mir per Zufall einen Job vermitteln kann, obwohl ich so lange und verzweifelt eine Arbeitsstelle gesucht habe. Ja, es gibt sie, die Wunder, die uns sprachlos machen und froh neben all dem Schlimmen, Schrecklichen, Beängstigenden, was es auch alles im Alltag zu erleben gibt. Und manchmal können wir fast mit Händen greifen, dass Gott es war, der uns diese Hilfe geschickt hat.
Ja, aber dann vergessen wir sie wieder diese Hilfe Gottes. Das Wunder, was wir erlebt haben. Und bei der nächsten Schwierigkeit sind sie wieder da: das Misstrauen, die Angst.
Herr, stärke unseren Glauben! So bitten die Jünger Jesus einmal, als sie sich ausruhen wollen nach einem langen gemeinsamen Weg. Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer und er würde euch gehorchen. (Lk 17,5-6)
Was für ein Ausspruch Jesu. Etwas, was fest verwurzelt ist und einen sicheren Stand hat sollen wir ausreißen, noch besser: ihm einfach zurufen, er soll es selbst tun! Vertrauen, dass ein kleines bisschen Glauben schon so viel bewirken kann. Verfahrenes, fest Verankertes, sich verändern kann. Einen Maulbeerbaum ausreißen, das kann man eigentlich nicht. Schon gar nicht auf Zuruf. Der Baum hat zwar zarte Blätter, seine Wurzeln greifen aber äußerst tief in die Erde und sein Holz ist extrem hart und unverwüstlich. Dieser Baum, so zierlich er aussieht, ist ein äußerst zähes Geschöpf, aus seinem Holz machte man die Sarkophage, in denen ägyptische Pharaonen einbalsamiert wurden, eben: weil das Holz so widerständig ist. Maulbeerbäume durften nur im großen Abstand zu Brunnen angepflanzt werden. Aus Angst, ihre Wurzeln könnten die Mauern des Brunnens durchbrechen.
Das ist ein Bild: sich hinstellen, ohne Axt vor so ein zähes Gestrüpp und sagen: tu es selbst, reiß dich aus, und versetze dich! Verpflanze dich ins Meer, dahin, wo du gar nicht hin willst. Dahin wo du nicht hingehörst. Wo du naturgemäß fehl am Platze bist. Ein Baum, mitten im Meer, statt fest verwurzelt im Boden.
Und das, ohne mit viel Kraftaufwand selbst am Baum gezerrt und gerupft zu haben. Unvorstellbar. Jesus geht zum Äußersten: Ihr habt mit dem kleinsten Glaubenskörnchen genug, dass sich die Dinge verändern. Ihr habt mit einem winzigen Körnchen Glauben schon genug, um Gewachsenes zu versetzen und Neues entstehen zu lassen. Glaubt daran: Ich kann die Kraft geben, dass sich Dinge verändern. Glaubt daran: ich kann Wunder bewirken.
Statt misstrauisch nach links und rechts zu gucken, sollen wir lieber an Gott festhalten. Daran, dass er uns Kraft schenken und neue Wege aufzeigen kann. Ich wünsche Ihnen für den heutigen Tag Mut, in einer verfahrenen Situation das Fünkchen Hoffnung zu haben, dass sich ihr Alltag positiv verändern kann. Ich wünsche Ihnen das Senfkorn Glauben, dass Gott doch größer ist und mehr bewegen kann, als wir ihm manchmal zutrauen.
Damit sich bewahrheitet, was Jesus gesagt hat: Wenn ihr Glauben hättet, so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen. (Lk 17,5-6)
Senfkorn
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