|
Soweto: Smile!
Südafrika. Soweto. Klapprige Wellblechhütten, endlose Siedlungen mit winzigen alten Häusern. Strom und Wasser haben dort die wenigsten.
Patrick, mein Taxifahrer, kommt aus Soweto und bietet mir netterweise eine private Tour an. Ein bisschen mulmig ist mir schon. Meine Reiseführer warnen inständig vor Überfällen: Wertsachen nah am Körper tragen! Autos von innen verriegeln! An roten Ampeln nicht anhalten! Möglichst nicht aussteigen!
Gleich am Anfang scheucht mich Patrick aus dem Auto, damit er ein Foto von mir unter dem Willkommen in Soweto-Schild schießen kann. Smile ruft er. Ich versuch es, während ich nach möglichen Dieben oder Mördern Ausschau halte. Wieder im Auto beruhigt mich das Klicken der Zentralverriegelung. Bis Patrick einfach die Fenster herunterfährt. Wir wollen ja nicht ersticken bei der Hitze. Gut, wie ich umkomme, ist letztlich egal, denke ich. An jeder roten Ampel bremst Patrick brav ab. Ist das vielleicht ein bisschen gefährlich? Er lacht schallend: Ob ich lebensmüde sei, einfach die rote Ampel ignorieren zu wollen?
Von dem Moment an entspanne ich mich langsam. Schließlich leben hier ja auch ganz normale Menschen. Die winken uns überall zu. Einfach, weil sie sich freuen, dass mal eine Touristin in ihre Stadt kommt und nicht nur schnell durchfährt.
Am Ende der Tour betteln zwei schwarze kleine Jungs in Schuluniform, dass ich ein Foto von ihnen mache. Smile! Rufe ich. Die tun das sofort, ganz ohne nach Dieben und Mördern Ausschau zu halten.
Sprecherin: Christiane Birgden
Soweto: Smile!
|