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Gottesbeweis
Tach Frau Hinz, sag ich, wat machen Sie denn fürn Gesicht? Ich mach mir Sorgen um den Pascal, mein ältesten Enkel, sagt se. Wat is denn mit dem?
Sitzt der Abends zu lange am Computer und hat schlechte Noten in der Schule? Im Gegenteil, sagt se, der geht aufet Gymnasium. Dienstags isst der bei mir immer zu mittag, heute auch. Aber bestimmt gibt et wieder Streit. Wieso Streit?, frag ich, wodrum geht et denn? Um Gott geht et, sagt se, Um Gott?, frag ich, wat gibt et da zu streiten? Dat frag ich mich auch immer, aber der Pascal hat jetz Filosofie gekriegt, als Unterrichtsfach. Und da lernen die, dat dat mit Gott alles gar nich stimmt. Klar, sag ich, et gibt jede Menge Filosofen, die behaupten, dat et Gott nich gibt. Wie kann dat sein?, fragt se, wo dat doch so klar is. Wat klar is? frag ich Na, dat et Gott gibt, sagt se, dat der alles gemacht hat und ... Sie sind da vielleicht sicher, sag ich, aber für viele is dat überhaupt nich ausgemacht. Dat mußn Normalmensch doch einsehen, dat et Gott gibt, sagt se, dat kann man doch beweisen, so dat et jeden überzeugt. Schön wärt, sag ich, beweisen dat et Gott gibt, dat hat noch keiner geschafft. Da haben sich die Theologen Jahrhunderte lang die Zähne dran ausgebissen. Aber der Pascal braucht sowat, sagt se, der sagt immer, Omma, gib mir n Beweis, dat et Gott gibt, und ich glaub dran. Aber wat ich auch versuch, immer hat dern Widerwort. Omma, sagt der, dat is alles fantasie. Dat et Gott gibt, haben sich die Menschen bloß ausgedacht, damit se sich nich allein fühlen, oder nich so klein. Wo nach deren Meinung Gott sein soll, da isset in Wirklichkeit leer. Is dat nich furchtbar, dat n junger Mensch so wat beigebracht kriegt? Normal is dat, sag ich, normal, so denken viele Menschen. Die spüren nix von Gott, hören nix von dem, sehen kann man den ohnehin nich, und dann glaubense eben auch nich dran. Ich hätt so gern, dat der Pascal an wat glaubt, sagt se, so ganz ohne wat kann n junger Mensch doch nich durch et Leben gehen. Sie können da wenig dran machen, sag ich, lassen se Gott dat machen. Der meldet sich ab und zu, dat macht der bei jedem Menschen, bei dem Pascal auch. Und wenn et soweit ist, dann kann der gar nich anders, als mit nem Gebet Antwort zu geben. Dat kenn ich, sagt se, wenn ich zum Beispiel plötzlich Panik krieg, weil der Willi sich ant Herz packt, dann kann ich gar nich anders als zu denken, lieber Gott, nee, lassen mir noch wat leben. Oder wenn irgendwat gut geklappt hat, wo se gar nix für können, sag ich. Dann kommt dat unwillkürlich, dat se innen drin danke sagen. Da gibt et n altertümliches Wort für, Heimsuchung nennt man dat. Dat nem Menschen wat widerfährt, wat ihn an Gott erinnert. Wenn sich der Pascal mal nur heimsuchen läß, sagt se, und nich zu stolz is, weil der vorher so große Töne gespuckt hat, von wegen dat et Gott nich gibt. Dat is natürlich wichtig, sag ich, dat der weiß, dat da einer auf den wartet, und sich freut, wenn er wat von ihm hört, egal wie lange vorher Funkstille gewesen is. Im Himmel freuense sich über dat Gebet von einem, der sich Gott wieder zuwendet mehr als über 99 Fromme. So steht dat in der Geschichte vom verlorenen Schaf. Die kennt der Pascal, sagt se, die habbich dem n paarmal vorgelesen, als der klein war. Dann kann doch nix passieren, sag ich, dann weiß der, dat Gott keinem Menschen Vorwürfe macht, wo bisse gewesen, ich hab lange nix von dir gehört, jetz kommse, wenn de wat von mir wills - sondern dat Gott sich freut, wenn der nach langer Zeit wieder wat von nem Menschen hört. Da bin ich beruhigt, sagt se, dann geht ich jetz ma einkaufen. Machense dat sag ich, kaufen se wat leckeres für den Jungen. Tschüss sagt se. Tschüss und n schönen Tag noch.
Gottesbeweis
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