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Wem glauben?
In der Unterführung sitzt immer ein Obdachloser, der eine dieser Obdachlosenzeitung verkauft. Meistens hab ich keine Zeit, die zu lesen. Deshalb geb ich ihm meist so was.
Ich kenn ihn inzwischen, grüß ihn mit Namen und wir halten einen kleinen Plausch. Ich erkundige mich nach dem Stand der Wohnungssuche. Er erzählt mir von den Menschen, die ihm hier täglich begegnen.
Das ist ein guter Deal. Er bekommt einen Euro und ich darf mich ein bisschen besser fühlen, weil ich wenigstens einen aus dem Heer der Kölner Obdachlosen unterstütze.
Vor zwei Wochen hält mich dann ein Mann an: Ob ich den Mann kenne? Kennen ist zu viel, sag ich, aber er scheint in Ordnung zu sein. Ich habe ihn noch nie besoffen erlebt.
Das ist ein ehemaliger Arbeitskollege von mir, sagt der Mann. Der hat damals ne dicke Abfindung bekommen. Der verdient gut hier in der Passage!
Soll ich das glauben? Möglich ist so was ja. Aber kann es sein, dass sich jemand sommers wie winters hier unten in die zugige Unterführung setzt, der es nicht nötig hat?
Das nächste Mal drücke ich mich durch den Strom der Menschen an meinem ehemaligen Lieblingsobdachlosen vorbei. Den Euro halt ich diesmal in der Tasche. Ein schlechtes Gefühl hab ich trotzdem.
Sprecherin: Christiane Birgden
Wem glauben?
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