Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.10.07, Christiane Birgden

Erinnerung

Nach einer Überdosis künstlicher Erdbeeren roch meine Tanzschulzeit. Denn so roch damals mein Lipgloss. Neulich hab ich nochmal so einen Stift gekauft,

und *schwupps* war sie wieder da, die Zeit, genauer gesagt, die Stimmung dieser Zeit. Endlose Sessions vor dem Spiegel, tausend Klamotten durchprobieren, um am Ende doch Papas schwarzes Polohemd anzuziehen.

Dann im Radio, Patty Smith, “Because the Night.” Ich sehe mich noch mit meiner Schwester auf dem Bett rumhüpfen und bedeutungsvoll in unsere Haarbürsten singen. Das ist jetzt fast 30 Jahre her.

An was von dem, was ich heute erlebe, werde ich mich später einmal erinnern? Irgendwie will ich sie ja festhalten, die Zeit. Aber nicht alles ist gleich wichtig.

Heute weiß man, dass meine Gefühle, in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen. Nur das, was ich mit starken Gefühlen erlebt habe, kommt in den Erinnerungsspeicher. Das andere wird gelöscht. Das ist auch ein Segen, weil sonst mein Gehirn von der Flut von Informationen dauernd zugemüllt würde.

Ich find das beruhigend, weil ich weiß, dass die wesentlichen Momente meines Lebens, in meiner Erinnerung archiviert werden. Eigentlich genial gemacht!

Sprecherin: Christiane Birgden  

 

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