Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.09.07, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Kirchenwidereintritt

Melanie Grefe hat es getan. Nicht mit vierzehn, sondern erst mit zwanzig – so wie viele aus ihrem Jahrgang. Sie hat sich getrennt – von der evangelischen Kirche.

Für ihre Entscheidung hatte die attraktive Mitt-Dreißigern damals gute Gründe. Sie hatte bereits eine Banklehre gemacht, studierte Psychologie in Marburg und beschäftigte sich kritisch mit der Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft. Besonders enttäuscht war sie darüber, wie:

O-Ton: „… weibliches Freiheitsstreben durch Kirche, vor allen Dingen durch die Institution Kirche reglementiert wird und früher reglementiert worden ist und dann bin ich zu dem Entschluß gekommen, ich muss mich da noch mal neu entscheiden, ob ich überhaupt Teil dieser Institution sein möchte. Als Gemeindemitglied und bin daraufhin ausgestiegen.“

Autorin: Ihr fiel das schwer, denn als Jugendliche hatte sie sich in der Kirche ernst genommen gefühlt - auch mit ihren kritischen Fragen. Auf der Suche nach neuen spirituellen Formen, entdeckte sie den Buddhismus. Was sie begeisterte:

O-Ton: „… war die Alltäglichkeit mit der Spiritualität praktiziert wird in Form von Meditation und das hat mich sehr angesprochen, weil ich den Eindruck hatte mir fehlt was in meinem Alltag, mir fehlen Rituale und mir fehlt die Verbindung zum Göttlichen, während ich so durch meinen Alltag gehe“

Autorin: Und sie machte eine überraschende Endeckung:

O-Ton: „und hab dann über die Meditation letztendlich wieder einen Zugang zu meinen eigenen spirituellen Wurzeln gefunden auch. Hab festgestellt, daß ich letztendlich durch die christliche Religion geprägt bin.“

Autorin: Dies war für Melanie Grefe der erste Meilenstein auf ihrem Weg zurück in die Kirche. Doch es gab zahlreiche Vorkommnisse, die letztlich in ihr den Entschluß reifen ließen, ich will zurück. Als sie ihr Diplom hatte und anfing in Gießen zu arbeiten, in einer Beratungsstelle für sexuell mißbrauchte Frauen, hat sie oft erlebt:

O-Ton: „... daß Menschen in Notsituationen wiederholt ganz wichtige Hilfen durch Einrichtungen bekommen haben, die von der Kirche getragen sind.
Und hatte dann das Bedürfnis auch durch meinen Mitgliedsbeitrag dazu beizutragen, daß diese Einrichtungen erhalten bleiben können.“

Autorin: Doch es gab auch eine wichtige spirituelle Erfahrung. Letztes Jahr war sie in einer großen Lebenskrise. Einiges brach weg in ihrem Leben – auch der Job und die Beziehung.

O-Ton: „Ich kann sagen, daß ich so die Erfahrung gemacht habe, daß sich für Türen, die sich geschlossen haben, dass sich da neue Türen für geöffnet haben und das hat mich sehr in meinem Glauben an Gott gestärkt.“

Autorin: Und als sie dann auch noch gefragt wurde, ob sie Patentante werden will, war für sie endgültig klar, daß sie wieder zurück will in die evangelische Kirche.

O-Ton: „Ich hab mich dann mit der Frage beschäftigt. Was ich brauche um dieses Amt gut auszufüllen und hab dann festgestellt, daß ich auch den Rückhalt der Glaubensgemeinschaft brauche, einfach um authentisch zu sein in meiner Rolle als Patentante.“

Autorin: Der Weg zurück in die Kirche war unkompliziert. Sie rief ihre Pfarrerin an und vereinbarte ein Gespräch. Die beiden trafen sich jetzt häufiger. Tauschten sich aus, über das, was im Leben wirklich wichtig ist. Und wie geht es Melanie Grefe heute mit ihrer Kirche und der Frauenfrage?

O-Ton: „Es ist eher so, daß ich mich da in dem Frausein wie ich es heute erlebe mit ganz vielfältigen Rollen auch gut wiederfinde.“ 

Autorin: Doch auch die anderen Dinge haben sich in ihrem Leben gut geregelt. Sie ist umgezogen, hat einen neuen Job und eine neue Beziehung. Manchmal öffnen sich neue Türen und manchmal auch alte Türen wieder neu.

Audiobeitrag Kirchenwidereintritt


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