Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.09.07, Prof. Dr. Reinhard Schmidt-Rost

"Das Festmahl"

Liebe Hörerin, lieber Hörer! Gottes Herz ist für uns offen, er schenkt uns Leben und Vertrauen. Deshalb zwingt er uns seinen Weg nicht auf,

sondern wirbt um Vertrauen durch Erzählungen, die seine Güte und Großherzigkeit darstellen. Jesus erzählt von Gott als einem großzügigen Gastgeber und von einem fröhlichen Festmahl, zu dem er eingeladen hat. Als Gastgeber lädt er natürlich zunächst seine Freunde ein, aber nach und nach, als die Absagen aus dem Freundeskreis sich häufen, bittet er schließlich alle zu seinem Fest, die kommen wollen. Und es kommen viele, der Festsaal wird ganz voll. Die meisten haben mit einer solchen Einladung überhaupt nicht gerechnet, sie wissen gar nicht, warum sie zu den eingeladenen Gästen gehören. Aber die überraschende Einladung macht das Fest nur noch fröhlicher. Der Gastgeber ist sehr großzügig, die Atmosphäre unter den Gästen hervorragend, je mehr sie alle merken, dass sie mehr oder weniger zufällig dabei sind und nicht, weil sie irgend eine besondere Beziehung zum Gastgeber hatten. .

Der Grund ist einfach: Der Gastgeber, Gott, hat ein weites Herz. Ihm sind alle Menschen gleich lieb, bei allen Unterschieden, die er natürlich nicht übersieht. Aber er ist enttäuscht, wenn sich einige besser fühlen als andere. Alles was sie haben, sind doch seine Gaben, Leib und Leben, Seele und Geist, Geld und Gut. Sicher, manches haben sie sich auch fleißig erarbeitet, aber wenn sie nicht gesund geblieben wären, dann hätten sie auch nicht so hart arbeiten können.

Aber das rechnet der Gastgeber seinen Freunden gar nicht vor. Sie bestrafen sich ja selbst, wenn sie nicht zu seinem Fest kommen, sich diese wunderbar leichte und offene Atmosphäre entgehen lassen. 

 Liebe Hörerin, lieber Hörer! Ein anderes Urteil über uns gibt es nicht, auch nicht am Ende aller Zeit, als dieses, dass sich Menschen selbst ausschließen, weil sie der Einladung Gottes nicht trauen. Dabei lädt er uns alle jeden Morgen neu zum Leben ein. Mit jedem Lichtstrahl dringt Wärme, dringt Energie in unser Leben. Wir sind jeden Tag eingeladen zum Leben, brauchen keine Eintrittskarte und keinen Leistungsnachweis. Jeder kann so kommen, wie er ist. Keiner braucht eine Opfergabe mit zu bringen oder Geld zu bezahlen. Das Leben ist sowieso unbezahlbar. Es ist wie ein Ehren-Amt, es ist Gottes Auftrag an alle, von seiner Güte weiterzuerzählen, und vor allem: dass seine Güte allen gilt.

Wer ein unbeschwertes, strahlendes Fest miterlebt hat, der ist so erfüllt von den Eindrücken, dass er davon unbedingt weiter erzählen muß.

Wenn mir aber das Leben so schwer wird, dass ich es beim besten Willen nicht als Fest empfinden und mitfeiern kann?  Das ist traurig, ich kann das nachempfinden. Aber meine Traurigkeit ändert zum Glück nichts daran, dass das Leben auf dieser Erde von Gott als ein Fest gedacht ist – für alle.

Audiobeitrag "Das Festmahl"


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