Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.09.07, Prof. Dr. Reinhard Schmidt-Rost

"Die drei Manager"

Liebe Hörerin, lieber Hörer! Morgen ist der Michaelistag, der Feiertag des Erzengels Michael, „Wer ist wie Gott?“ – So lautet die Übersetzung von Michael aus dem Hebräischen

und damit verbindet sich die Frage: „Wie ist Gott?“ Auch die Geschichte von den anvertrauten Pfunden bringt uns Gott näher, so wie Jesus ihn seinen Schülern vorgestellt hat. Für heute könnte man sie vielleicht so erzählen:

Drei Manager erhalten vom Chef ihrer Firma verschieden große Geldsummen und den Auftrag, mit dem Geld zu arbeiten, während er selbst eine längere Geschäftsreise unternimmt. Die drei wählen verschiedene Strategien mit unterschiedlich hohem Risiko; auch der Erfolg fällt sehr verschieden aus. Zwei von ihnen lassen das Geld kräftig arbeiten, investieren und riskieren, ohne riskant zu spekulieren, jedenfalls gehen ihre Geschäfte gut und sie vermehren die anvertraute Summe beträchtlich, der dritte hat wenig Mut, fürchtet, er könne es seinem Chef nicht recht machen und vergräbt das Geld, damit es wenigstens nicht gestohlen wird.

Als der Firmenchef nach seiner Rückkehr Rechenschaft fordert, werden die beiden mutigen Manager gelobt und erhalten das erarbeitete Geld als Belohnung und der Erfolgreichste erhält das Geld von dem dritten, dem mutlosen Manager gleich noch dazu.  Der Mutlose aber wird entlassen.

Wie passt diese Geschichte zu den anderen, die Gottes Offenheit für alle Menschen schildern? Man muß sie richtig übersetzen: Hier werden keine Prämien für fachlich hervorragende ökonomische Leistungen verteilt bzw. bei mangelnder Leistungsfähigkeit einbehalten. Das anvertraute Geld steht für das Vertrauen, das Gott in uns setzt, für das Leben, die vielen Begabungen und Fähigkeiten, die jeder von uns auf seinen Lebensweg mitbekommt. Wer daraus nichts macht, wird nicht von Gott bestraft, er bestraft sich vielmehr selbst, wenn er die Möglichkeiten, die ihm sein Leben eröffnet, nicht annimmt, ob es nun viele Möglichkeiten sind oder wenige.

Und so lehrt die Geschichte alle Eltern und Lehrer, alle Nachbarn und Nächsten, dass sie die ihnen anvertrauten oder nahe stehenden Menschen zu einem natürlichen Vertrauen auf ihre  Gaben, auf ihre Begabungen und Fähigkeiten ermutigen sollen. Niemand soll sich durch unterschiedliche Begabungen, durch bessere oder schlechtere Startchancen entmutigen lassen.

Es ist ja nicht die Zuwendung zu den Schwachen als solche, die die Christenheit von Anfang an auszeichnet, sondern der Glaube, dass Gott uns alle als gleich würdig ansieht, das ist der tiefe und fröhliche Sinn des Evangeliums, - und diese fröhliche Botschaft weckt den Geist gegenseitiger Verantwortung aller füreinander, ganz gleich welchen Standes, welcher Bildung oder welchen Ansehens sie sind.

Audiobeitrag "Die drei Manager"


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