Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.09.07, Pastorin Sabine Steinwender

Sonntagsruhe

Heute ist wieder so ein grauer Tag, wo man überhaupt keine Lust hat, aufzustehen, um zu arbeiten. Doch Gott sei Dank– morgen ist Sonntag.

Für die meisten ist das ein arbeitsfreier Tag. Und das soll so bleiben. Zumindest will das die EKD - die Evangelische Kirche in Deutschland. Deshalb hat sie jetzt eine Sonntagskampagne gestartet mit dem Slogan: Gott sei Dank, es ist Sonntag. Zwar ist die Sonntagsruhe im Grundgesetz verankert, doch sie wird zusehends ausgehöhlt  – auch vom Gesetzgeber. Beobachten läßt sich dies an der zunehmenden Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Petra Bosse- Huber, Vize Präses der Ev. Kirche im Rheinland:

O-Ton: „Wir haben den Eindruck, daß uns der Sonntag so scheibchenweise abhanden kommt. Nicht spektakulär und so mit einmaligen großen Beschneidungen; sondern so wirklich in Salami Taktik.“

Autorin: Was die drei Evangelischen Kirchen in NRW mit der Kampagne bezwecken: 
 
O-Ton: „Wir würden gerne das politische Gespräch noch mal ein bißchen nachheizen, daß nicht das Gefühl entsteht mit den Ladenöffnungszeiten, das ist schon in Ordnung. Nein, die Praxis die wir hier haben - zumindest in NRW - und in vielen Kommunen paßt uns überhaupt nicht.“

Autorin: In Wuppertal beispielsweise dürfen die Geschäfte bereits an 22 Sonntagen im Jahr geöffnet werden, wenn alle Bezirke die gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen. In Berlin Brandenburg - wo es die meisten verkausoffenen Sonntage gibt – hat die Ev. Kirche bereits Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingelegt. Den Kirchen ist es also Ernst mit der Sonntagsruhe. In ihrem Kampf stehen sie Schulter an Schulter mit den Gewerkschaften und dem mittelständischen Einzelhandel,

O-Ton: „weil die einfach solche Ladenöffnungszeiten nicht leisten können.“

Autorin: Zumal längere Öffnungszeiten keineswegs höhere Umsätze garantieren. Denn  

O-Ton: „die Menschen können ihren Euro wirklich nur einmal ausgeben.“

Autorin: Außerdem gehen die längeren Öffnungszeiten auf Kosten derer, die ohnehin wenig verdienen. Menschen in den sog. Niedriglohngruppen sind es, die

O-Ton: „dann gerade diese undankbaren Zeiten nachts oder ganz, ganz früh am Morgen erben und wirklich dann den Betrieb rund um die Uhr offen halten. Das trifft vor allem Frauen, die dafür dann noch sehr, sehr schlecht bezahlt werden.“

Autorin: Problematisch an der Kampagne sind die Poster, die für die Sonntagsruhe werben. Der Sonntag wird symbolisiert durch farbige Motive, die reichlich konservativ anmuten: Eine glückliche Familie bzw. einen Kirchturm. Soviel Traditionsbewußtsein ist selbst den evangelischen Kirchen in Nordrhein Westfalen zuviel, aber auf EKD Ebene waren nur diese Motive mehrheitsfähig. Deshalb sagt Petra Bosse-Huber ,Vize Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland: 

O-Ton: „Wir werden mit anderen Motiven nachziehen, weil wir das sonst auch ein bißchen zu klischeehaft finden. Nicht alle Menschen leben zum Beispiel in Familien.“

Autorin: Und nicht alle gehen sonntags in die Kirche. Zwar nutzen viele Christen den Sonntag auch für einen Gottesdienstbesuch. Doch der Sonntag ist mehr. Er ist eine göttlich verordnete Atempause – ein Geschenk Gottes an alle Menschen. Nachdem Gott die Erde und alle Lebewesen geschaffen hatte, beschloß er : Der siebte Tag soll frei sein. So steht es im Schöpfungsbericht und zwar

O-Ton: „als besonderes Geschenk für die Menschen, daß sie nicht arbeiten müssen, sondern daß sie frei haben, daß es reicht Mensch zu sein, mit anderen gemeinsam das zu genießen und wirklich einen ganzen Tag nur für die Schönheit des Lebens zu haben.“

Autorin: Der Mensch darf und soll sich eben nicht nur über Arbeit und Konsum definieren.  Vielmehr besteht die Würde des Menschen darin,

O-Ton: „daß er ein von Gott geliebtes Wesen ist. Und dafür bedarf es Räume um das zu erleben, um das zu erfahren, dazu bedarf es der Möglichkeit, Gemeinschaft zu pflegen und dafür brauchen wir vor allen Dingen den Sonntag.“

Audiobeitrag Sonntagsruhe


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen