Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.09.07, Mark Pollmeier

Käufliche Liebe

In Shanghai hat kürzlich ein Soul Supermarket eröffnet, ein Kaufhaus für das Seelenheil. Dort kann man sich zum Beispiel einen Viertelliter „Bedingungslose Liebe“ kaufen.

Oder wie wär’s mit einer Dose „Selbstbewusstsein“? Oder einem Päckchen „Gute Stimmung“? Ist alles vorrätig, fein säuberlich aufgereiht in Regalen und Kühltheken. Und der Laden ist ausgesprochen preiswert: Eine hübsche Flasche mit „8 Stunden Schlaf“ gibt’s schon für unter 10 Euro. Wer da nicht zugreift, ist selber schuld.

Natürlich hat die Sache einen Haken: Die Flaschen, Flakons, Dosen und Päckchen im Soul Supermarket sind leer. Alles, was man kriegt, ist eine Verpackung mit Aufdruck. Die Kunden wissen das – und kaufen trotzdem. Manche laden sich gleich mehrere Artikel in ihren Einkaufskorb, sozusagen auf Vorrat.

Für eine Mogelpackung bezahlen? Das klingt erst mal verrückt. Doch genau dieser Widerspruch macht das Konzept des Ladens aus.

Für Geld kann man heute fast alles haben; es kommt nur auf den Preis an. Aber die wirklich wichtigen Dinge im Leben – Treue, Vertrauen, Ehrlichkeit, Liebe – die sind unverfügbar, die sind gegen Geld nicht zu haben.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber wer weiß: Vielleicht muss man sich ab und zu mal eine leere Packung davon kaufen, um sich daran zu erinnern.

Sprecherin: Christiane Birgden

 

Audiobeitrag Käufliche Liebe


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