Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.09.07, Mark Pollmeier

Ausländerschulen

Paul ist sechs und geht in die erste Klasse. Bevor er eingeschult wurde, haben seine Eltern sich genau erkundigt und einige Schulen angeschaut.

Ausgewählt haben sie dann eine, die etwas weiter weg liegt, in einem anderen Stadtteil. Das bedeutet zwar, dass Paul jetzt jeden Morgen im dicksten Berufsverkehr zum Unterricht kutschiert werden muss. Aber das nehmen seine Eltern gern in Kauf. Hauptsache, die Schule ist in Ordnung. Und das heißt konkret: Sie hat einen ziemlichen niedrigen Ausländeranteil.

So wie Pauls Eltern machen das immer mehr Väter und Mütter. Die meisten haben sehr genaue Vorstellungen, wie die Schule ihrer Kinder aussehen soll. Eine Klasse, wo nur die Hälfte Deutsch spricht? Das geht gar nicht. Dann lieber woanders einschulen.

Irgendwie kann ich das ja nachvollziehen. Pisa, die ganze Bildungsdebatte ... – das hat viele Eltern verunsichert. Sie machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder und wollen lieber auf Nummer sicher gehen.

Was sie dabei übersehen: Zur Zukunft in diesem Land gehören auch die Mädchen und Jungs, die nicht von hier sind. Die Kinder mit Migrationshintergrund. Ein paar Millionen sind das immerhin, allesamt zukünftige Nachbarn, Arbeitskollegen, Freundinnen und Freunde.

Höchste Zeit also, die mal kennen zu lernen. Die Schule wäre eigentlich der ideale Ort dafür.

Sprecherin: Christiane Birgden

 

Audiobeitrag Ausländerschulen


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