Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.09.07, Pfarrerin Dr. Barbara Schwahn

Nomen est Omen

Pipilotta Viktualia Rollgardinia Pfefferminzia Efraimstochter Langstrumpf. Kennen Sie die Dame, liebe Hörerinnen und Hörer?

Das ist der vollständige Name der weltberühmten Pippi Langstrumpf. Voller Fantasie und ziemlich unsinnig. Da kann man wirklich sagen: Nomen est omen. Die Darstellerin der Pippi damals im Film wurde sogar auf der Straße mit Pippi angesprochen. Und später hat sie kaum mehr andere Rollen bekommen. Denn jeder hätte sofort an die freche Göre mit den roten Haaren gedacht. So sehr gehörten der Name und ihr Gesicht zusammen.

Jeder von uns hat seinen festen Namen. Der Familienname ist normalerweise nicht so verrückt, oft ist es ein Allerweltsname wie Meier oder Müller. Und lange nicht so aussagekräftig. Aber er gehört zu uns. Schon unsere Vorfahren haben ihn getragen. Und jetzt wir. Und jeder von uns trägt ja auch seinen Vornamen, den ihm die Eltern geben und mit dem man ein Leben lang gerufen wird.

Aber wir ändern uns natürlich im Laufe unseres Lebens. Wir entwickeln uns weiter. Und manche zeigen das, indem sie sogar ihren Namen ändern. Normal ist, dass ein Ehepartner bei der Heirat den Namen des anderen annimmt. Aber es gibt sogar Menschen, die  nehmen den zweiten Vornamen als Rufnamen oder sie lassen sich mit einem Spitznamen anreden. Weil sie so von Menschen genannt werden, die ihnen jetzt sehr viel bedeuten. Erfolgreiche Künstler geben sich einen Künstlernamen. Ihr Name ist dann Programm. So helfen sie dem Sprichwort: Nomen est omen etwas nach. Friedensreich Hundertwasser etwa wurde als Friedrich Stowasser geboren. Sein Künstlername sagt etwas über sein Engagement für den Frieden und über seine Architektur, die er ja möglichst der Natur angepasst hat.

In der Bibel sagt Gott ganz oft zu Menschen, sie sollen doch mal ´was ganz anderes machen. Und wenn sie das wirklich tun, gibt er ihnen einen neuen Namen. Als Zeichen für die Veränderung in ihrem Leben. „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will“ sagt Gott zu Abraham. Und er verspricht ihm, bei ihm zu sein und ihn zu segnen. In seinem Fall mit einer großen Familie und unzähligen Nachkommen. In dem Land, das Abraham noch gar nicht kennt, wo Gott ihn aber hinführen wird. Und Gott gibt Abraham dann seinen Namen, der soviel heißt wie „Vater einer Menge“. Sprichwörtlich geworden ist der Saulus, der zum Paulus wurde. Er hat eine regelrechte Wende in seinem Leben vollzogen vom Christenverfolger zum Missionar.

Gott möchte im Laufe unseres Lebens verschiedenes von uns. Wir müssen nicht festgelegt bleiben auf eine bestimmte Rolle, die wir uns vielleicht nicht einmal ausgesucht haben. Auf einen Beruf. Auf ein Hobby. Er möchte, dass verschiedene Seiten an uns zum Vorschein kommen. Dass wir uns wirklich entfalten.

Es ist nicht immer leicht, mit etwas aufzuhören, was gut läuft und schon jahrelang eingefahren ist. Und etwas ganz anderes zu wagen. Überhaupt erst einmal zu merken, wann etwas anderes, etwas Neues für uns an der Reihe ist. Aber es lohnt sich, dafür ein Gespür zu entwickeln. Offen zu sein für neue Aufgaben.

Die Pippi Langstrumpf von damals hat die Schauspielerei  mehr oder weniger an den Nagel gehängt, weil sie zu sehr festgelegt wurde auf ihr Image als Pippi. Jeder von uns ist genauso frei, sein Leben umzugestalten. Denn nur wer sich ändert, bleibt sich treu.


 

Audiobeitrag Nomen est Omen


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