Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.09.07, Pfarrerin Dr. Barbara Schwahn

Sein wie ein bewässerter Garten

Liebe Hörerinnen und Hörer, haben Sie einen Garten zuhause? Oder einen Park in der Nähe, wo sie regelmäßig hingehen? Dann wissen Sie, wie es aussieht,

wenn es lange nicht regnet und nicht gegossen wird und auch, welche Wunder geschehen, wenn ein Garten ausreichend Wasser bekommt. Als wir letztes Jahr aus dem Urlaub kamen, war nach drei Wochen Hitze der Garten vollkommen verbrannt. Der Rasen gelb, etliche Pflanzen vertrocknet. Die Bäume ließen das Laub hängen. So viel gießen konnte man gar nicht, um das zu verhindern. In diesem Jahr war alles grün, das Gras wie wild gewachsen, Sträucher und Pflanzen blühten in allen erdenklichen Farben, im Gemüsegärtchen waren die Bohnen und Himbeeren reif zum Ernten. Es hatte halt viel geregnet. Wie wohltuend das ist, eine richtige Oase, ein solcher gut gewässerter Garten. Er lädt ein, sich hinzusetzen, die Blütenpracht zu bestaunen, die gute Luft einzuatmen. Die Früchte zu ernten und zu genießen. Und sie weiterzuverarbeiten zu Marmelade und Kompott. Wenn es genügend regnet, ist das kein Problem.

Was würden Sie sagen, wenn ich zu Ihnen sagen würde: Du wirst sein wie ein solcher wohl bewässerter Garten? Bunt, lebendig, erfrischend, dynamisch, einladend, fruchtbar. Einige werden jetzt sicher denken: stimmt! So bin ich. So fühle ich mich. Vital, gut in Form, was ich anpacke, gelingt mir. Ich bin humorvoll, immer gut gelaunt, jeder hat es gerne mit mir zu tun. Andere werden sagen: Ich doch nicht. So gestresst und abgehetzt, wie ich schon wieder bin.  Ich fühle mich eher ausgelaugt, antriebslos. Ohne Ausstrahlungskraft. Oder: Ich lebe zurückgezogen. Bin eher der ruhige Typ. Mit mir kann doch keiner etwas anfangen. Der Prophet Jesaja im alten Testament verrät ein Geheimnis, ein Rezept dafür, wie man zu einem wohl bewässerten Garten werden kann.

Sprecher: „Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“

Autorin: Die Menschen damals wussten: Ohne Fleiß kein Preis. Glück und Wohlergehen im Leben fällt mir meistens nicht einfach zu. Ich muss schon etwas dafür tun. Auch im Religiösen. Sie fasteten und kasteiten sich selbst, um von Gott mit Wohlstand und Wohlergehen belohnt zu werden. Aber dabei gingen sie ihren Geschäften nach zu ihrem eigenen Vorteil, verlangten ihren Arbeitern zuviel ab, stritten sich und schlugen auch mal zu. Der Prophet verkündigt: Gott möchte etwas anderes von euch: Kümmert euch um das, was die Menschen um Euch herum brauchen. Setzt Euch ein für sie. Habt Ihr Wohl im Blick. Sorgt dafür, dass es denen gut geht, für die Ihr Verantwortung tragt. Euren Kindern, den Eltern und Großeltern, Euren Kollegen, Euren Patienten und Kunden, denen, die für Euch arbeiten. Wenn Ihr dafür etwas von Eurer Zeit opfert, oder von Eurem Geld und Eurem Profit, oder von Eurem Schlaf, oder Eurer Bequemlichkeit, dann ist das ein Fasten, dann sind das religiöse Übungen, die dazu führen, dass es Euch gut geht. Dass Ihr wie ein gut gewässerter Garten vor Leben sprüht, einladend seid, interessant für andere. Dann macht Ihr andere stark und glücklich und seid es selbst auch.

Audiobeitrag Sein wie ein bewässerter Garten


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