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Erbsünde
Liebe Hörerinnen und Hörer, es gibt Familien, bei denen sich ein bestimmtes Schicksal wie ein roter Faden durch die verschiedenen Generationen zu ziehen scheint:
Beziehungen halten nie lange halten, Eltern haben sich in jungen Jahren getrennt, man lebt selbst in Scheidung und auch die eigenen Kinder gehen keine dauerhafte Beziehung,ein, sind nicht bindungsfähig. Immer öfter ist heute in Familien schon der Großvater arbeitslos gewesen, der Vater auch und der Sohn bemüht sich gar nicht erst um einen Ausbildungsplatz, weil er nur das Leben von Sozialhilfe kennt. Oder: Grossvater und Vater sind Alkoholiker und die Tochter heiratet auch einen, der zum Trinker wird. Oder eine junge Frau bangt darum, dass sie auch an Brustkrebs erkrankt, weil schon ihre Grossmutter daran gestorben ist und bei der Tante auch etwas festgestellt wurde. Auch Depressionen und die Neigung, sich das Leben zu nehmen, bekommen manche mit in die Wiege gelegt, leiden unendlich darunter, und vererben es unweigerlich wieder an Kinder und Kindeskinder. Ich höre oft von solchen Familiengeschichten. Dann fällt mir immer die biblische Rede von der Erbsünde ein. Vom Sündenfall Adams und der Sünde und der Strafe dafür, die er an alle Nachkommen, bis zu uns heute vererbt hat. So erklärt die Bibel das, was falsch läuft bei uns Menschen, was uns belastet und unfrei macht. Manches, was unsere Familien zu tragen und auszuhalten haben, haben wir sicher uns selbst zuzuschreiben. Da sind wir schuld daran. Da machen wir Fehler, denken oftmals zu sehr an uns. Manches gucken wir uns auch einfach ab von unseren Vorfahren, übernehmen es, weil es in der Familie immer so war. Manche Krankheiten sind genetisch bedingt. Die tragen wir in uns und sie können jederzeit ausbrechen. Da können wir nichts dran ändern. Ob wir uns ein Verhängnis nun jeweils selbst zuzuschreiben haben, oder ob es wirklich immer wieder ohne unser Zutun über uns kommt: jedenfalls ist es schwer, und oft eben unmöglich, ihm zu entkommen. Sich ihm zu entziehen. Die Bibel zeigt zwei Wege dafür auf. Da, wo es um eingefahrenes Verhalten geht, um Zwänge und Mechanismen, um Schwächen, da sagt die Bibel, ist Veränderung in einem Leben möglich. Wenn ich einsehe, dass ich mich und andere mit meinem Verhalten ins Unglück stürze. Und wenn ich versuche, rauszukommen, einen anderen Weg einzuschlagen. Ich kann dann mit Psalm 51 beten:
Sprecher: Gott, du bist reich an Liebe und Güte; darum erbarme dich über mich, vergib mir meine Verfehlungen. Nimm meine ganze Schuld von mir, wasche mich rein von meiner Sünde. Ich weiß, ich habe Unrecht getan, meine Fehler stehen mir immer vor Augen. Gegen dich selber habe ich mich vergangen, ich habe getan, was du verabscheust. Darum bist du im Recht, wenn du mich schuldig sprichst; deinem Urteil kann ich nicht widersprechen. Verfehlung und Schuld bestimmen mein Leben, seit meine Mutter mich in diese Welt hineingeboren hat. Das war mir verborgen. Du hast es mir gezeigt. Dir gefällt es, wenn einer die Wahrheit erkennt. Nimm meine Schuld von mir, dann werde ich rein. Lass mich wieder Freude erleben. Du hast mich völlig zerschlagen, richte mich doch wieder auf. Mach mich zu einem neuen Menschen, Herr, der fest und beständig zu dir hält.
Autorin: Da, wo ein Alkoholiker trocken wird, da ist es gelungen. Oder da, wo junge Menschen bewusst beieinander bleiben und eine Familie gründen, obwohl ihre Familiengeschichte voll ist von tragischen Trennungsgeschichten. Oder da, wo Jugendliche der Ehrgeiz packt, unabhängig sein zu wollen im Leben. Und sie sich eben doch um eine Lehrstelle bemühen und eine Arbeit bekommen. Zumindest an einer Stelle ist dann diese verhängnisvolle Kette in einer Familie unterbrochen. Und da, wo Krankheiten wie ein Fluch über einer Familie schweben? Da können wir nur Gott um die Gnade bitten, uns zu verschonen mit dem Schicksal unserer Vorfahren. Uns Wege zu zeigen, mit unserem Los fertig zu werden. Und Menschen, die mitleiden und uns beistehen. Unser Gebet könnte dann lauten: Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig. Denn auf dich traut meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe. Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt. Er sende vom Himmel und helfe mir. Gott sende seine Güte und Treue. Amen.
Erbsünde
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