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Leben im Alter
Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn ich mal so über mein Alter nachdenke, dann sehe ich mich überall, bloß nicht in einem Altenheim.
Möglichst lange in meiner Wohnung bleiben, das möchte ich. So lange wie möglich selbst einkaufen, kochen, am Leben draußen teilnehmen. Was ist, wenn das nicht mehr geht? Keine Ahnung. Das sollte möglichst nicht passieren. Auch Hildegard und Dieter Strassmann haben nie geglaubt, dass sie mal in einem Altenheim landen. Beide sind über 80 und leben seit ungefähr 4 Jahren dort.
O-Ton: Also das hätt ich nie gedacht, dass ich im Alter ins Altersheim gehen würde, denn wir hatten ein eigenes Haus mit eigenem Schwimmbad draußen und unsere Kinder, Und da denkt man dann gar nicht ans Altern. Das kommt dann erst später.
Autorin: Als Hildegard Strassmann nicht mehr so gut laufen konnte, war der Haushalt alleine nicht mehr zu bewältigen. Sie mussten eine Lösung finden, die sie sich leisten konnten. Sie suchten sich das Betreute Wohnen aus, nicht weit weg von zuhause. Dort gab es jedoch keine Angebote für sie, mit denen sie die Zeit hätten sinnvoll gestalten können. Sie zogen in ein Altenheim der Kaiserswerther Diakonie und fühlen sich dort pudelwohl. Und die täglichen Angebote sind so ganz nach Dieter Strassmanns Geschmack:
O-Ton: Montagmorgens geht mit turnen los um 10.00 Uhr und eh ja dann geht der Tagesablauf weiter nach ner Stunde und Dienstagsnachmittag haben wir Gedächtnistraining und das ist auch immer ganz nett.
Autorin: Bis vor einiger Zeit gingen beide auch gerne zum Bibelgesprächskreis mit dem Pfarrer oder zur Philosophierrunde mit einem ehemaligen Professor. Weil Hildegard Strassmann mittlerweile bettlägerig ist, geht Dieter Strassmann jetzt alleine. Er setzt sich dort auch mit seinem Lebensende und mit dem Tod auseinander.
O-Ton: Also da haben wir darüber gesprochen über die Zeitschrift Gong, da war ein Artikel drin über Leben nach dem Tode, dass alle Religionen daran glauben, dass nach dem Leben noch weiterginge in irgendwelcher Art. Alle sind verschieden damit, aber alle hoffen auf ein Leben nach dem Tod. Ja, wir glauben das auch. Auf irgendwelche Art wird uns der Vater in seine Arme nehmen. Und, und irgendwie werden wir dann weiterleben. Wenn sie zuerst geht oder ich zuerst, wird der andere drauf warten bis der andere kommt. So stellen wir uns das vor.
Autorin: Hildegard und Dieter Strassmann haben es gut angetroffen in ihrem Heim. Sie fühlen sich dort gut aufgehoben. Wenn ich Dieter Strassmann so plaudern höre, dann denke ich, es lohnt sich durchaus, ernsthaft darüber nachzudenken, wo man im Alter leben möchte, wenn man alleine in den eigenen vier Wänden nicht mehr zu Recht kommt. Wenn man eben doch nicht mehr fit ist. In einem Psalm heißt es: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Klug ist es sicherlich, sich nicht auf seine ewige Jugend zu verlassen. In seine Altersvorsorge miteinzubeziehen, dass Älterwerden auch heißt, gebrechlich zu werden. Ich kann natürlich das Glück haben, mich lange, lange selbst versorgen zu können. Aber das Alter wird sich über kurz oder lang bemerkbar macht. Und es können viele Jahre sein, in denen ich nicht mehr alleine zurecht komme. Auch sie sind etwas Wert. Auch sie gehören zum Leben dazu, wie Gott es uns geschenkt hat. Auch über sie lohnt es sich, sich Gedanken zu machen. Auch sie möchte ich in Würde erleben können. Und dann werden andere Dinge wichtiger als das grosse Haus mit Schwimmbad. Dann brauche ich es, nicht alleine zu sein, mich in die Obhut anderer Menschen begeben zu können, denen ich vertrauen kann. Die mich schätzen auch als alter, gebrechlicher Mensch.
Leben im Alter
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