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Wie machst Du´s mit dem Beten
Der Weg zu Gott ist nicht weiter als das nächste Gebet - hat jemand gesagt. Ein schöner Gedanke. Zugang zu Gott, Gott erfahren durchs Beten! Wenns nur so einfach wäre"
Du willst beten, aber findest keine ruhige Minute zwischen all den Terminen und Verpflichtungen. Du willst beten, aber Dir fehlen die Worte. Was sollst Du sagen, was kannst Du beten in Situationen, wos einem die Sprache verschlägt, wie am Sterbebett einer jungen Mutter, deren Leben nicht zu retten ist und die ihren Ehemann und zwei Kinder hinterlässt?
Du betest und hast das Gefühl, Du redest wie gegen eine Wand. Ist da überhaupt jemand, der hört? Irgendwo in Afrika hatten sich Christen außerhalb des Dorfes einen Gebetsplatz ausgesucht, wohin sie täglich gingen, um dort in der Stille allein mit Gott zu reden. Die Gebetswege waren mit der Zeit wie kleine ausgetretene Pfade. Eines Tages sagt einer zu seinem Nachbarn: "Du, auf deinem Gebetsweg wächst langsam das Gras".
Würde das mein Nachbar mitkriegen, wenn bei mir Gebetsflaute ist? Würden wir überhaupt so miteinander reden - über unsere Erfahrungen und Schwierigkeiten mit dem Beten? Wir reden übers Wetter, über die Last mit der Bandscheibe, über den Krimi vom Sonntag, manchmal auch über Wichtigeres, vielleicht sogar über Religion, so im allgemeinen, was man davon halten soll. Aber übers Beten spricht man nicht. Das ist zu persönlich, zu intim. Das geht keinen was an. Das macht man mit sich selber aus.
Schade. Denn die eigentlich interessante Gretchenfrage ist ja gar nicht die Frage aus Goethes Faust Wie hast dus mit der Religion? sondern Wie machst dus mit der Religion? Wie machst Dus mit dem Beten? Wie kriegst Du das hin? Wie findest Du die Worte? Wie gehst Du mit dem Zweifel um?
Fragen Sie das mal, wenn Ihnen danach ist, Ihren Nachbarn! Der wird sich wahrscheinlich wundern. Vielleicht aber auch gemeinsam mit Ihnen feststellen: Ach ja, in unserer Gesellschaft, unseren Familien, Freundes- und Kollegenkreisen wird überhaupt viel zu wenig geredet über Persönliches, über das Eingemachte, über Gretchenfragen, wie zum Beispiel übers Beten.
Wenn Sie mich fragen: Mir hilft es, wenn ich mir feste Zeiten dafür einrichte, also nicht nur dann bete, wenn mir danach ist. Dann muss ich allerdings auch streng mit mir selber sein. Was mir nicht leicht fällt.
Wenn mir die Worte fehlen, bleibt mir nur das Schweigen. Dann sind meine Gedanken das Gebet. Oder ich suche nach Worten bei anderen, zum Beispiel in den Psalmen des Alten Testaments. Sie sind eine wahre Fundgrube. Wenn mir die Zweifel kommen, ob da überhaupt einer ist, der mich hört, dann sage ich mir: Wo Glaube ist, da ist immer auch der Zweifel, und der ist dazu da, kritischen Fragen standzuhalten, auch der Frage, ob Beten nicht doch nur ein Selbstgespräch ist.
Nein, so ist es nicht, sagt Sören Kierkegaard: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören, beten heißt, still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.
Wie machst Du´s mit dem Beten
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