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Dinge genung, die eine gesund machen
Einspielung aus dem Hörspiel: Chet Baker der lange Sturz: Es gibt Dinge genug, die einen krank machen. Truman Capote.
Fünfundzwanzig Jahre hat Manfred Moll getrunken, und dabei alles verloren, sein Haus, sein Malergeschäft, seine Familie. Der Alkohol hat ihn krank gemacht. Ich treffe den 63jährigen im Café einer evangelischen Jugendeinrichtung in Düsseldorf-Eller. Sie gehört zur dortigen Kirchengemeinde. Hier arbeitet Moll als Honorarkraft mit Jugendlichen, betreut Fußball- und Tischtennisgruppen. Man sieht ihm an, dass sein Leben nicht leicht war. Mit Stolz und leuchtenden Augen erzählt er: Seit über zwanzig Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr!
1. O-Ton: Ja, jetzt bin ich frei, hab ne Grundausbildung gemacht, ehrenamtlicher Suchthelferausbildung, familientherapeutische Ausbildung, viele Sachen, die mir sehr gut getan haben, auch hier in der Kirchengemeinde.
Autor: Die Besucher im Jugendreff wissen um seine Alkoholkrankheit. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist er für viele ein Vorbild und jemand, mit dem man reden kann.
2. O-Ton (zwei Jugendliche): Der ist einfach immer da, der is immer für einen da, der macht alles mit einem. Ach, der Manni is super.
3. O-Ton Ich komm mit den Jugendlichen hier gut klar, und wenn sie Hilfe brauchen oder Beratung dann können sie sich an mich wenden,
waren auch schon welche da, die ich denn begleitet hab, die auch schon so weit waren, dass sie mit 21 Jahren ne Entgiftungsbehandlung nötig hatten und dass ich die dann begleitet habe nach Grafenberg ins Landeskrankenhaus zur Entgiftung.
Autor: Doch die Entgiftung ist nur der Anfang. Was folgt, ist ein Leben ohne Alkohol. Und das muss man erstmal lernen. Manfred Moll musste das auch. Was ihm selber geholfen hat aus der Sucht herauszukommen, waren Menschen, immer wieder Menschen, vor allem im Blauen Kreuz, einer christlichen Selbsthilfeorganisation, durch die er auch den Weg zum Glauben gefunden hat.
4. O-Ton: Also der Glaube gibt mir Kraft für den Alltag und ich bete jeden Tag und danke dem Herrn für den schönen Tag, dass er mir Kraft und Selbstbewusstsein und auch Gesundheit schenkt.
Autor: Jeden Dienstag geht er zur Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes, am Sonntag ist sein Platz in der Kirche. Warum?
5. O-Ton: Um mit Menschen in Kontakt zu sein, die auch gläubig sind und die auch den Glauben praktizieren im normalem Leben auch, und das gibt mir dann immer wieder die Kraft, wenn wir nachher am Kaffeetisch sitzen nach dem Gottesdienst und denn ins Gespräch kommen.
Autor: Manfred Moll hat es geschafft, trocken zu bleiben. Jeden Tag kämpft er wieder neu darum. Seine Arbeit im Jugendtreff ist dabei wichtig. Er hilft den Jugendlichen und sie helfen ihm, denn er ist aus gutem Grund fast jeden Tag mit ihnen zusammen.
6. O-Ton: Ja, um eigentlich keine Zeit zum Trinken zu haben, keinen Gedanken daran zu verschwenden, aber eigentlich um eigentlich ne sinnvolle Beschäftigung zu haben auch, weil ich sinnvoll meinen Tag verbringe und nicht so in den Tag hinein lebe wie früher als ich nasser Alkoholiker war.
Autor: Über seinen bezahlten Job hinaus arbeitet Manfred Moll auch an anderen Stellen ehrenamtlich mit.
7. O-Ton: Auch weil ich ja in meiner nassen Zeit als Alkoholiker viel Mist gebaut habe und Gott jetzt dankbar bin undn Stück auch zurückgeben kann und möchte.
Autor: Gewiss, es gibt Dinge genug, die einen krank machen, wie Truman Capote sagt. Manfred Moll weiß ein Lied davon zu singen. Aber auch von der anderen Erfahrung: Es gibt Dinge genug, Begegnungen, Ideen, der Glaube an Gott, die einen gesund machen.
Musik: Chet Baker - Der Lange Sturz. Eine szenische Phantasie. CD. Hoffmann und Campe Hörbücher. Hörspiel von Michael Naura ISBN-13/EAN: 9783455320053
Dinge genung, die eine gesund machen
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