Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.09.07, Silke John

Laut und still

Die Glocken hören langsam auf zu läuten. Die kleine Kirche ist voll. Die Pfarrerin steht auf und sie wird fröhlich mit lauten Hallos und „Guten Morgen“ begrüßt.

Es hat sich schon jetzt gelohnt: der Stress am Morgen, das umständliche Anziehen der Sonntagsklamotten, das sich-beeilen-müssen, damit alle gewaschen sind und Frühstück gegessen haben; dann das Warten auf die Kleinbusse. Einige sind in ihren Rollstühlen in die Kirche geschoben worden.

Den Bewohnern und Bewohnerinnen der Fondation John Bost ist ihr sonntäglicher Gottesdienst erstaunlich wichtig. Die Fondation John Bost ist eine der größten Einrichtungen der französischen Diakonie für behinderte Menschen. Die  kleine, schöne Kirche gehört selbstverständlich zur den Wohnhäusern dazu. Die Pfarrerin predigt über Maria. „Ja“, ruft eine Frau, „die kenne ich! Das ist die Mutter Jesu.“

Viele andere beteiligen sich, rufen dazwischen, applaudieren. Es wird viel gelacht. Aber vor allem wird viel gesungen und sich bewegt in diesem Gottesdienst. Es ein lauter Gottesdienst. Definitiv. Aber gleichzeitig ist er sehr intensiv.

Der beeindruckendste Augenblick ist für mich das Fürbittengebet: Man betet für die, die heute nicht am Gottesdienst teilnehmen konnten, weil sie etwa zu krank oder zu schwach sind, und man denkt an die Verstorbenen. Da ist es einen Moment sehr still. Aber dann kommt es wie aus einem Munde: „Amen!“

Sprecher:Michael Birgden

Audiobeitrag Laut und still


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