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"Angesehen - angeredet"
Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer, dem habe ich es aber gegeben! Sooo klein habe ich ihn gemacht! Sooo klein mit Hut!
Eine sprichwörtliche Redewendung. Um einen andern klein zu machen, bedarf es aber nicht des großen Donnerwetters. Es geht auch ganz subtil. Etwa so: Das kannst du sowieso nicht. Aus dir wird nie etwas. Andere sind viel besser als du. Du bist überflüssig. Die Botschaft: Du bist nicht gewollt, nicht anerkannt, nicht geliebt.Und irgendwann setzt sich das Gefühl fest: Es stimmt. Eigentlich mag mich keiner. Ich bin nichts wert. Wir sehnen uns nach Liebe, Verständnis und Annahme. So wie Zachäus. Die Bibel erzählt seine Geschichte.
Zachäus, ein kleiner Mann, äußerlich und innerlich. Er sinnt darüber nach, wie er es allen andern zeigen kann. Mit Ehrgeiz und Energie macht er Karriere. Schließlich bringt er es zum Oberzöllner von Jericho und Umgebung. Jericho, vor 2000 Jahren ein kleines Tor zur Welt. Treffpunkt des Handels und des Schmuggels. Und mittendrin Zachäus als Geschäftemacher im Dienst der römischen Besatzungsmacht. Die Geschäfte laufen gut. Doch das Geld stinkt. Der ehrbare Bürger geht ihm aus dem Weg.
Zachäus denkt: Wenn die andern mich schon nicht mögen, dann sollen sie wenigstens Respekt vor mir haben. Neidisch sein auf meinen Erfolg, meinen Besitz, mein Geld. So lebt Zachäus vom Ersatz. Ansehen, Verständnis und Liebe werden durch Besitz und Geld ersetzt. Aber: Wird ein kleiner Mann durch Kapital zum großen Mann?
Zachäus spürt, dass ihm etwas Entscheidendes fehlt. Und dann kommt Jesus vorbei. Ein Volksauflauf. Der kleine Zachäus sieht nichts. Nur die Rücken der vor ihm Stehenden. In die erste Reihe lässt man ihn nicht. Da stehen die anderen. Da hat er nichts zu suchen. So klettert er auf einen Baum. Gut getarnt vom Blätterwerk will er den Überblick gewinnen.Er will sehen, ohne selbst gesehen zu werden. Und dann bleibt Jesus stehen. Er sieht die Menge, er sieht den Einzelnen. Er übersieht niemanden. Und wenn er auch noch so gut getarnt im Blätterwerk eines Baumes sitzt. Jesus sieht Zachäus an. Er schaut zu ihm hoch. Eine umwälzende Erfahrung für Zachäus. Er wird angesehen. Er fühlt sich zu Ansehen gebracht. Und er wird angeredet mit seinem Namen: Zachäus! Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben erfährt er: Es gibt jemanden, der mich annimmt, wie ich bin. Der mich ansieht, obwohl er mich durchschaut. Der mich anredet, obwohl mein Name keinen guten Ruf hat.
Und die Anrede bleibt nicht folgenlos. Zachäus macht reinen Tisch. Er bereinigt seine Vergangenheit. Sein Leben gerät auf eine neue Bahn. Eine Begegnung hat dies ausgelöst. Die Begegnung mit Jesus.
Liebe Hörerin, lieber Hörer,wir heißen nicht Zachäus. Aber auch wir sehnen uns nach Liebe, Verständnis und Annahme. Auch wir sind angewiesen auf Erbarmen und Nachsicht von Gott und den Menschen, denen wir manchmal einiges zumuten. Und wenn Jesus Zachäus ansieht und ihn hineinnimmt in die Gemeinschaft mit Gott, dann ermutigt das auch mich. Auch für mich ist da Platz.
"Angesehen - angeredet"
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