Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.09.07, Pfarrerin Birgit Winterhoff

"Verkehrte Maßstäbe"

Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer, wer ist der Größte? Wer ist eigentlich der Beste? Wer ist ein Held? Ein Vorbild? Wer ist gut, nein besser?

Wer ist ein Hoffnungsträger? Ein Musterbeispiel? Ein Heiliger? Wer ist der Größte? Das haben die Jünger tatsächlich einmal Jesus gefragt. Kamen alle zusammen, stellten sich vor ihn hin oder um ihn herum und guckten ihn an. Und dann platzte einer raus: Also, wir haben eine Weile diskutiert und sind zu keinem Ergebnis gekommen. Jetzt sind wir schon gespannt, was du wohl sagst. Unsere Frage ist: Wer ist eigentlich der Größte im Himmelreich? Wie wird man bedeutend, wichtig, angesehen – in dieser Welt? Jesus sah seine Jünger an. Ob er den Kopf geschüttelt hat? Oder sie angeguckt und dabei gelächelt hat? Es gibt doch wichtigere Fragen.

Dann schaut sich Jesus um. Sein Blick ging über die Runde hinaus, die Straße entlang. Da spielten die Kinder mit Stöcken und Steinen im Sand. Andere spielten fangen und verstecken. Und er rief eins der Kinder: Komm mal her! Nur einen Moment. Ich brauche dich mal! Eins der Kinder flitzt los, neugierig, etwas schüchtern, etwas unsicher, was es bei den Erwachsenen soll. Es kommt auf den Kreis der Jünger zu und drängelt sich zu Jesus, so zwischen den großen, erwachsenen Männern durch. Und steht da. Mit aufgeschlagenen Knien, ein bisschen dreckig, ungekämmte Haare, Rotznase. Wer ist der Größte? hatten sie gefragt. Der Größte im Himmelreich. Und sie hatten sich erhabene, große Gedanken gemacht, hoch hinaus gedacht. Und Jesus zeigt auf das Kind. Alle Blicke gehen nach unten, als Jesus sagt: Wer wie dieses Kind wird, der ist der Größte!

Und das Kind verstand nicht so wirklich, was los war, lachte und lief dann wieder weg zum Spielen. Und die Jünger guckten sich an, guckten Jesus an und – ja, was? Nickten sie langsam? Etwa so: „Hm, in die Richtung hatte ich auch schon gedacht.“ Oder: „Ist ja logisch! Das ich da nicht gleich drauf gekommen bin!“ Nein! Sie waren vor den Kopf gestoßen. In diese Richtung hatte keiner gedacht!

Jesus sagt es ganz krass, sehr scharf und radikal, sehr deutlich: Ihr fragt euch, wer der Allerbeste ist im Himmel? Ich sage euch: Wenn ihr nicht werdet wie ein Kind, werdet ihr gar nicht erst in den Himmel kommen! Ihr macht euch um die Größe Sorge, um eure Stellung, Beförderung und Machtposition. Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, seid ihr nicht dabei. Nach euren Maßstäben von Leistung und Erfolg rennt ihr dran vorbei!

Und hier geht es nicht um etwas Äußeres. Hier geht es um deine Herzenseinstellung. „Umkehren! Jesus vertrauen wie ein Kind vertraut!“ Da redet die Menge noch über Größe – und Jesus ruft ein Kind. Ich bete, dass wir wie Kinder werden. Sofort kommen, wenn Jesus ruft. Voller Vertrauen beten. Ich bete um ein Kinderherz. Um Kinderaugen und ein kindliches Vertrauen, das Gott seine Liebe glaubt.

 

Audiobeitrag "Verkehrte Maßstäbe"


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