Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.08.07, Jörn Heller

Higher Ground

Einmal im Jahr ist Inventur. Mindestens. In jedem größeren Betrieb ist das so, und es treten dabei unweigerlich so manche Fehlbestände zu Tage.

Aber auch für Menschen kommen sie, früher oder später, die Momente der Bestandsaufnahme, in dem das Leben uns schonungslos die Fakten unseres kleinen Betriebs vor Augen führt. In solchen Momenten beschleicht einen mitunter das ungute Gefühl, als habe man einen Großteil seiner Zeit und Energie sinnlos vergeudet. Der Weg, den man damals einschlug, war er tatsächlich richtig? Das, was man vom Leben erwartete, hat man es wirklicht erreicht? Manchmal erschrickt man darüber, wie weit man vom Weg abgekommen ist, wie viele Chancen man vertan hat und wie mager die Ausbeute ist. Die Inventur, sie kann ernüchternd ausfallen. Der Song „Higher Ground“ von Barbra Streisand beschreibt eine solche Erfahrung:

Musik: CD: Barbra Streisand: Higher Ground (EAN 5099748853226)
Titel: Higher Ground (WDR Archiv-Nr. 5608823-2)

I have walked too long in darkness,    
I have walked too long alone,
blindly clutching fists of diamonds,
that I found were only stones.

I would trade the wealth of ages
for a warmer hand to hold!
The path of life is narrow,
But it leads to streets of gold.

Overvoice: Ich habe zu lange im Dunkeln getappt,
ich bin zu lange allein marschiert,
hab´ blind mit Fäusten nach Diamanten gegriffen,
doch die, die ich fand, waren bloß Steine.

Ein Vermögen würde ich geben
für eine warme Hand, die ich halten könnte.
Der Weg des Lebens ist schmal,
aber er führt zu Straßen aus Gold.


Autor: Man wünscht sich, es gäbe eine Möglichkeit, sich über all das Misslungene und den ganzen Pfusch mit einem kräftigen Flügelschlag hinwegzusetzen, sich über die öde Fläche zu erheben, auf der man so unbeholfen vor sich hinstolpert.
Ein Vermögen würde man geben für etwas, das mehr Tiefe, mehr Wärme, mehr Halt ins Dasein bringt. Vielleicht ahnt man, dass Gott dieses „Etwas“ sein könnte, doch eigentlich entzieht er sich unserem Horizont. Die öde Fläche hat eine unheimliche Anziehungskraft und zieht unseren Blick immer wieder auf den Boden herunter. Der Texter des Songs scheint das zu wissen und formuliert deshalb als Gebet:

Musik:

So take my hand and lift me higher,     
Be my love and my desire,
Hold me safe, in honor bound,
Take my heart to higher ground.

Nimm meine Hand und zieh mich empor,
sei du meine Liebe, du, was ich suche und begehre,
halt mich fest, umgib mich mit Würde,
heb mein Herz auf einen höheren Grund!

Autor: Mit einem solchen Gebet auf den Lippen lässt sich der Weg über die öde Fläche beschreiten. Wer so betet, stolpert nicht frustriert weiter wie bisher, sondern lenkt seine Schritte in eine andere Richtung, betritt einen sicheren Weg und hat bereits einen festen, einen höheren Grund unter den Füßen!    

 

Audiobeitrag Higher Ground


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