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Der alte Trott
Urlaube halten nicht lange vor. Kaum sind sie vorbei, da sind sie auch schon wieder vergessen, der Wind und die Weite, die Sonne und das Meer.
Sobald wir wieder zu Hause sind, fährt uns der Alltag wie eine Axt in die Knochen und lässt das genossene Glück in weite Ferne rücken. Der Wecker klingelt, man macht die Augen auf, sortiert müde seine ersten Gedanken, lässt ein paar verschlafene Blicke über die Zimmerdecke gleiten, und noch bevor man einen Fuß aus dem Bett gesetzt hat, ist er auch schon wieder da: der alte Trott. Was steht bevor? Derselbe ermüdende Tagesablauf, dieselben belanglosen Tätigkeiten, dieselben unliebsamen Gesichter! Wieder ankämpfen gegen die zermürbende Routine, wieder mühsam anreiten wie Don Quixotte gegen Windmühlen, deren Mühlsteine in ewig gleichbleibender Monotonie die Körner zermahlen. Und man kommt sich dabei selber vor wie ein Korn im Getriebe der Mühle. Der alte Trott ist wieder da, jene unangenehme, greisenhafte Erscheinung, die schon so alt ist, dass bereits in der Bibel von ihr die Rede ist. Ein unbekannter Autor mit dem reichlich hochtrabenden Namen Prediger beschreibt sie dort so:
Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne. Der alte Trott sitzt wieder auf der Bettkante, und er lässt sich von dort nicht so leicht wegstoßen. Er ist gekommen, um uns in die Mangel zu nehmen und unsere Lebenskraft zu lähmen. Er versucht, uns dem Sterben näher zu bringen und den Tod jetzt schon in kleinen Münzen auszuzahlen. Nichts von all dem Schönen, was das Leben ausmacht, soll auf unser Konto fließen. Alles Reden ist so voll Mühe, dass niemand damit zu Ende kommt, seufzt der Prediger.
Doch dieser Erfahrung aus dem Alten Testament und der unsrigen steht eine Erfahrung aus dem Neuen Testament gegenüber: Jesus ist auferstanden von den Toten!, heißt es dort.
Auch wenn wir das vielleicht schon tausendmal gehört haben und für eine fromme Belanglosigkeit halten, lohnt es, sich dies zu vergegenwärtigen: Jesus ist auferstanden und hat den Tod überwunden! Wie das geschehen sein soll, weiß kein Mensch, und selbst die Autoren der Bibel sind sich in dem, was sie von diesem sonderbaren Ereignis bezeugen, seltsam uneinig. Gegen alles Tödliche aber sehen sie gemeinsam in Jesu Auferstehung die Macht des Lebens durchbrechen, und nichts wird uns von ihnen so eindringlich mitgeteilt wie genau dies. Inmitten einer Welt des ewig gleich Bleibenden, der tödlichen Langeweile und zerstörerischen Routine sehen sie mit Jesus einen neuen Himmel und eine neue Erde anbrechen. Sah sich der Prediger noch genötigt, die bittere Frage zu stellen:
Geschieht irgendetwas, von dem man sagen könnte: Sieh, das ist neu? so antwortet Gott durch die Auferstehung Jesu Christi: Siehe, ich mache alles neu!
Es ist gut, sich an dieser Antwort auszurichten, ja mehr noch, man muss sie in den Alltag hineinglauben, denn mit diesem Rückenwind bekommt unsere Gegenwart ein neues Gesicht, und alles, was sie erschwert, ein anderes, ein leichteres Gewicht. Wenn Jesus den Tod selbst überwunden hat und so die Wirklichkeit der Welt ganz neu gestaltet, dann können wir Lebensmüden uns erst recht fröhlich aus unseren Betten schwingen und uns mutig und gelassen dem Leben zuwenden. Gegen den Tod und gegen den alten Trott!
Der alte Trott
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