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Dopingsplitter
Ja, da mochte man sich vor Empörung die Haare raufen! Der Zabel hat´s getan, der Aldag hat´s getan, und auch Winokurow und Moreni haben erfolgreich bewiesen,
dass allein mit Vitaminsäften keine Tour de France zu gewinnen ist. Fast hatte man den Eindruck, als sei der ganze Radsport ein verkapptes Pharmaunternehmen und sein Personal nur eine Apothekerschaft auf Rädern. Haarsträubend, das Ganze! Aber wie bemerkte noch gleich Jesus in der Bibel:
Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?
Der Splitter ist nämlich dieser: Zabel dopt, um Höchstleistungen zu erbringen. Das ist in der Tat skandalös! Der Balken aber sieht so aus: Ich dope nicht und erbringe keine Höchstleistungen, und so muss denn eben der Zabel das liefern, was ich in meinem tristen Alltag nicht erreiche. Ganz vorne fahren, im Rampenlicht stehen und auf dem Siegertreppchen die Sektkorken knallen lassen, so etwas wünscht sich doch jeder von uns, vor allem dann, wenn wir wieder mal das Gefühl haben, auf unserem kleinen Radel dem Strom des Lebens als Schlusslicht hinterherzufahren. Das ist der Balken in unserem Auge, und Jesus ermahnt uns, nicht die fremden Splitter, sondern die eigenen Balken zu betrachten.
Wir alle sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Wir lieben es, auf Leute zu starren, die sich aus dem Gewöhnlichen hervorheben. Wen interessiert schon ein Radsportler, der es bei der Tour de France ohne Doping auf Platz 63 bringt?
Was zählt, ist das Außergewöhnliche, und von diesem Außergewöhnlichen leben nicht nur viele tausend Journalisten, die von ihren Honoraren sich und ihre Familie ernähren. Das Außergewöhnliche ist auch das persönliche Doping vieler Millionen Menschen, die an den Radio- und Fernsehgeräten tagtäglich ihren Alltag aufputschen, und jeder überprüfe einmal kritisch, in wie weit er zu ihnen gehört! Das Außergewöhnliche zieht uns alle fast magisch an. Kann es einen da wirklich wundern, dass Sportler an der Spitze zu Mitteln greifen, die gegen die vereinbarten Spielregeln verstoßen?
Aber gerade weil die Welt so ist, wie sie ist, lohnt es sich, auf ein anderes Wort Jesu zu hören, der im Namen Gottes ein paar ganz neue Wettkampfregeln für unsere Welt aufstellt:
Die Letzten werden die Ersten und die Ersten die Letzten sein!
So sieht Gott das Ganze. Damit wir dieses Wort nicht falsch verstehen, beginnt Jesus mit den Letzten statt mit den Ersten. Die erfolgreichen Ersten werden mit seinem Ausspruch nicht schadenfroh in die letzte Reihe verwiesen, nein, anders herum: Gott lässt die erfolglosen Letzten fröhlich an den anderen vorbeiziehen, stellt sie ins Rampenlicht und lässt mit ihnen die Sektkorken knallen. So sehen Gottes entspannte Wettkampfregeln für unseren täglichen Kampf ums Dasein aus. Und wer sie nachbuchstabiert, muss nicht mehr begierig den Erfolgreichen hinterhergaffen und sich bei ihrem Versagen enttäuscht die Haare raufen, weil er nämlich selber außergewöhnlich ist. Außergewöhnlich in den Augen Gottes!
Dopingsplitter
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