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Kirche mobil
Es gibt viele Gründe, nicht zur Kirche zu gehen. Verstaubte Lieder, traurige Mienen, langweilige Predigten. Alles geht irgendwie an der Wirklichkeit vorbei.
Da hat man sonntags Besseres zu tun, schläft lieber aus, gönnt sich ein paar frische Brötchen und lässt die Kirche einfach leer ausgehen. Was tun?. In der Dorfkneipe von Lüdenscheid-Gevelndorf weiß man auf diese Frage eine Antwort:
O-Ton: "Tja, wenn de Bevölkerung nich in de Kirche geht, dann muss de Kirche eben nach de Bevölkerung kommen, ist doch ganz einfach!"
Autor: Dieser Meinung war auch die Evangelische Kirche von Oberrahmede, eine kleine Kirche, die tief im Tal an der Hauptstraße zwischen Lüdenscheid und Altena liegt. Ganz so leer wie viele andere Kirchen ist die in der Oberrahmede zwar nicht, im Gegenteil. Aber:
O-Ton: "Viele Bürger, mit denen wir so ins Gespräch kommen, die sagen: Ne, da unten gehen wir nicht hin! Und dann ist so im Laufe der Jahre, kann man sagen, dieser Gedanke gewachsen, dass wir sagen, gut, dann fahren wir zu den Menschen, wo sie wohnen."
Autor: erzählt Pitt Wilke, ein Mitarbeiter der Gemeinde. Und so kommt die Kirche nun jeden Samstag von 11 bis 12 von unten aus der Oberrahmede oben nach Gevelndorf. Auf einem Schulhof steht sie dort gegenüber von Imbiss-Stube, Tabakladen und Eiscafé da, wo sie hingehört: mitten im Leben. Und wie kommt die Kirche nach Gevelndorf?
Trecker-Geräusche
Autor: Mit dem Trecker! Die Kirche im Dorf ist ein Wagen, der früher auf dem Wochenmarkt Verwendung fand. Heute rollt er als mobile Kirche zu den Menschen, mit hochklappbarem Kirchturm und Kirchendach. Darüber ist in großen Buchstaben das Bibelwort zu lesen: Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein! Es soll deutlich machen, worum es Kirche eigentlich geht. Pitt Wilke:
O-Ton: "Unser Schwerpunkt, das was Kirche immer schon auf´m Herzen hatte, ist Gebet, Seelsorge und Segen."
Autor: Innen ist die mobile Kirche gemütlich mit Tischen und Stühlen eingerichtet. Hier haben Menschen die Möglichkeit, mit den Mitarbeitern der Gemeinde ins Gespräch zu kommen, persönliche Anliegen vorzutragen, und, wo es gewünscht wird, mit ihnen zu beten. Mancher Besucher erlebt dabei das Gebet von einer ganz neuen Seite.
O-Ton: "Beten ist einfach jetzt mal frei raus, frei Schnauze und im Glauben, in der Hoffnung, dass Gott eben auch mit dabei ist, dass er zuhört und sich dann ganz persönlich annimmt, wo wir Menschen einfach nicht weiter reichen. Dadurch ist Gebet für uns nicht irgendeine vorformulierte Geschichte, sondern aus der Situation, aus der Kommunikation heraus oder der Gemeinschaft, einfach das dann zu formulieren. Und die sagen dann: Ach, das ist Gebet? Dat kennen wir ganz anders!
Autor: Gott will dich segnen! Segen aber ist das, was Gott in der Bibel dem Abraham verheißt, als dieser zu einem langen Marsch ins Ungewisse aufbricht. Es ist ein schwieriger und steiniger Weg, den er zu beschreiten hat. An seinem Anfang aber steht die Zusage Gottes, ihn mit allem auszustatten, was er für ein erfülltes Leben braucht. Diese Zusage gilt auch uns, den Nachfahren Abrahams. Die Fülle des Lebens, auf unsere Köpfe zugesagt, allen Schwierigkeiten zum Trotz, das heißt Segen, und genau damit hat es Kirche zu tun. Sie besteht aus Menschen, die diesen Segen für sich in Anspruch nehmen und dann an andere weitergeben.
O-Ton: "Es geht nicht um die Pastoren, sondern es geht um Gemeinschaft, wo viele auch an diesen Aufgaben teilhaben sollen."
Autor: Es wäre gut, wenn wir uns weniger häufig über die Kirche und ihre Fehler aufregen würden. Wie ungeschickt sich Kirche bei ihrer Verkündigung auch immer anstellen mag: Es geht um nicht weniger als das Versprechen, dass wir mit Gott im Rücken ein erfülltes Leben haben werden, und darum, dass wir diese Botschaft weitergeben. Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein! Dafür lohnt es sich schon mal, ungewöhnliche Wege zu beschreiten und mobil zu werden!
Kirche mobil
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