Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.08.07, Beate Raguse

Mitbringsel

Es war auf Teneriffa. Und es war heiß. Seit 20 Minuten saßen wir im Bus und immer noch stiegen weitere Leute ein, suchten nach Kleingeld,

hielten ein Schwätzchen mit dem Kassierer. Endlich machte der Fahrer die Türe zu, legte den Gang ein. Da hörten wir jemanden aus dem hinteren Teil des Busses rufen: „Viene alguien mas“. Der Bus setzte sich ruckelnd in Bewegung.  „Viene alguien mas“. Ganz am Ende Straße war ein kleiner sich bewegender Punkt zu sehen. Jemand lief dem Bus hinterher. „Espere“,  rief ein älterer Mann. „Espera, espera“, fielen mehr und mehr Leute ein. Längst war aus der Sache ein Spiel geworden. „Anhalten“,  rief auch mein Freund und grinste von einem Ohr zum anderen. Als der Busfahrer nur mürrisch antwortete, buhte eine kleine Gruppe ein langgezogenes „Uuuh“.

Endlich gab der Fahrer auf. Noch 20 Meter -  dann blieb der Bus stehen. Die Leute applaudierten. Es dauerte noch etwas, bis die laufende Person näher kam. Es war ein Jogger, der verwundert zum Bus guckte.

Wir hatten falsch gelegen. Der, dem wir helfen wollten, den Bus noch zu erreichen, der brauchte keine Hilfe. Das kommt vor. Das kannte ich auch aus Köln, manchmal bietet man vergeblich seine Hilfe an, manchmal ist jemand sogar beleidigt, weil er nicht als hilfebedürftig gelten will. Doch seit Teneriffa weiß ich, wenn der Versuch, zu helfen mal ins Leere läuft, macht gar nichts. Denn schon sich für jemanden einsetzen, kann einfach ziemlich viel Spaß machen.  

Sprecher: Christiane Birgden

 

 

Audiobeitrag Mitbringsel


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