Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.09.07, Christiane Birgden

Die Stadt der Blinden

Als die Ampel auf Grün springt, erblindet der Autofahrer aus heiterem Himmel. Ein Passant bringt ihn heim, stiehlt dabei mal gleich sein Auto.

Wenig später ist auch der Dieb blind. Eine rätselhafte Seuche breitet sich aus. Einer nach dem anderen erblindet.

Diesen Albtraum schildet das Buch „Die Stadt der Blinden“. Das Essen wird knapp. Die hygienischen Probleme sind unvorstellbar. Die Regierung versagt auf ganzer Linie. Eine Gruppe Verbrecher reißt die Kontrolle an sich. Terror und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung.

Hauchdünn ist die Schicht, die uns von einer primitiven Horde trennt, behauptet das Buch. Blindheit – das kann auch Machtgier oder Rassenhass sein, der uns verblendet. Was vermag Liebe in so einer Welt? In der „Stadt der Blinden“ sieht nur noch eine Frau. Sie stellt sich blind, bewahrt so ihrem Mann und einigen anderen einen Rest von Menschenwürde.

„Das Einzige, das wir tun können, ist weiterleben,“ sagt sie, „die Zerbrechlichkeit des Lebens Tag für Tag in Schutz nehmen, als sei das Leben blind, als wüsste es nicht, wohin.“

Diese Frau lebt Liebe und Solidarität, so wie es die Bibel von Jesus erzählt. Jesus heilt Blinde. Und das heißt nichts anders als: Er heilt Verblendung, indem er die Augen für die anderen öffnet. Für die Zerbrechlichkeit unseres Lebens.

Sprecherin: Christiane Birgden

 

Audiobeitrag Die Stadt der Blinden


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