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Wie finde ich Glück im Leben und was kann der Glaube an den lebendigen Gott dazu beitragen?
Gott segne unser Reden und Hören. Amen. Wie finde ich Glück im Leben und was kann der Glaube an den lebendigen Gott dazu beitragen?
Darauf habe ich Ihnen zu Beginn des Gottesdienstes eine Antwort versprochen, liebe Gemeinde. Dieses Versprechen versuche ich jetzt einzulösen. Die Geschichte von Jesus und der Frau am Brunnen wird mir dabei helfen. Wir haben sie vorhin gehört.
Wir suchen alle im Leben nach Glück, nach Erfüllung, nach Leben pur. Nicht immer bewusst. Wir nehmen uns das auch selten richtig vor. Oft tun wir es völlig unbewusst. Dann treibt uns einfach etwas in unserem Inneren. Das kann ganz unterschiedlich aussehen.
Bei uns hier in Nordrhein-Westfalen sind gerade die Ferien zu Ende gegangen, andere sind noch mittendrin. Deshalb fällt mir als erstes ein: Viele leben das ganze Jahr auf den Urlaub hin. Hier bin ich Mensch, hier kann ich´s sein. Endlich frei sein. Raus aus dem Anzug und rein in die Freizeitklamotten. Jetzt sagt mir wenigstens für kurze Zeit keiner mehr, was ich zu tun habe. Andere wiederum finden Erfüllung gerade in ihrer Arbeit. Ich arbeite, also bin ich, ist ihre Einstellung. Arbeit ist schließlich nicht zur zum Geldverdienen da, sondern sie gibt meinem Leben einen Sinn, sagen sie, und sind froh, wenn die freien Tage vorbei sind. Wieder andere suchen ihr Glück in der Liebe und gehen eine Beziehung nach der anderen ein auf der Suche nach dem Traumpartner. Oder wollen unbedingt eine Familie mit Kindern und sehen darin ihre Erfüllung.
Wir sind im Leben auf der Suche, das ist wohl so. Und das ist gut so. Das hält uns lebendig. Wie öde wäre es, wenn uns alles egal wäre und wir einfach alles auf uns zukommen ließen. Besser ist, wenn wir uns auch immer dann neu auf die Suche begeben, wenn wir den Eindruck haben: Mein Leben ist stehen geblieben, erstarrt. Wenn selbst der Urlaub mir keine Freude mehr macht, wenn die Ehe auseinander gegangen oder mein Partner verstorben ist, wenn es mit den Kindern nicht so läuft, wie erhofft oder wenn ich keine Arbeitsstelle habe.
Die Frage ist, ob das, was wir suchen, immer das ist, was wir wirklich wollen. Es gibt aber auch Menschen, die eigentlich alles erreicht haben, was sie sich so wünschten , und die dennoch unzufrieden sind mit ihrem Leben. Und das, was sie erreicht haben, ist offenbar nur eine Durchgangsstation für eine neue Suche nach etwas anderem.
Als Jesus der Frau am Brunnen begegnet, merkt er ihr an, dass auch sie auf der Suche ist. Alles beginnt damit, dass Jesus die Frau und im Verlauf des Gesprächs die Frau Jesus um etwas Wasser zu Trinken bittet. Aber Jesus hat mehr zu bieten und antwortet: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. Es geht so, wie oft im Leben: Die beiden reden aneinander vorbei. Die Frau denkt an eine Quelle in ihrer Nähe, wo sie jederzeit Zugriff zu Wasser hat, damit das tägliche Wasserschleppen vom Brunnen aufhört. Vordergründig ihr grösstes Glück. Etwas, was das Leben leichter und angenehmer machen würde.
So etwas, wie für viele heute vielleicht ein Urlaubsort, wo man jedes Jahr wieder hinfahren kann, weil alles da ist, was man braucht. Oder wie der Ruhestand, damit man endlich Zeit hat zum Verreisen. Oder wie ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Oder wie der Mann für´s Leben. Jesus meint aber: Ich kann dir mehr geben, als das, worum du mich gerade bittest. Mehr als die Befriedigung momentaner Bedürfnisse. Jesus führt ihr ihr bisheriges Leben vor Augen. Er erwähnt die vielen Männer, die sie in ihren verschiedenen Lebensabschnitten schon hatte und auf ihren aktuellen Mann, der nicht wirklich ihr Mann ist. Jesus sieht ihren Durst, nicht den nach Wasser, sondern den nach Liebe: Sie sucht nach Liebe, nach bedingungsloser Liebe und hat sie bis-her nicht gefunden. Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist, bekennt sie. Denn Jesus begegnet ihr, wie keiner zuvor. Er bricht gleich zwei Tabus: Er war es, der sie angesprochen hatte und sie um etwas zu trinken gebeten hatte. Ein Mann eine fremde Frau, obwohl nach einer rabbinischen Regel ein Mann auf der Straße nicht einmal mit seiner Ehefrau sprechen durfte. Und dann ist er noch Jude und sie eine Samaritanerin. Wusste er nichts von dem alten Konflikt zwischen Samaritanern und Juden?
Die Juden betrachteten das Mischvolk der Samaritaner als unrein. Eheschließungen hin und her durfte es nicht geben. Außerdem erkannten die Samaritaner nur die ers-ten fünf Bücher Mose an und zentraler Ort der Gottesverehrung war für sie ursprünglich der Berg Garizim, für die Juden aber der Zion. Dass einstmals der Tempel auf dem Garizim zerstört wurde, traf die Samaritaner an ihrer empfindlichsten Stelle. Normalerweise hielten sich fromme Juden bei der Durchreise durch Samarien nie lange auf, um ja nicht in Kontakt mit der Bevölkerung dort zu kommen. Ganz anders Jesus, zumindest nach dem Johannesevangelium. Er verweilt sogar da, an der Schnittstelle zwischen Israel und den anderen Völkern, und demonstriert damit: Alle diese überkommenen Differenzen und Konflikte sind für ihn nicht zentral. Sie schränken ein und dienen nun wirklich nicht dazu, den Durst nach Leben zu stillen. Den Durst nach wahrem Leben stillt allen der Geist, der lebendig macht. Die Wahrheit, die frei macht. Diesen Geist und diese Wahrheit verkörpert Jesus, so, wie er der Frau am Brunnen begegnet. Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. Wo zu Gott gebetet wird, das ist egal, sagt Jesus. Auf unsere Verhältnisse heute übertragen: Ob in einer evangelischen, katholischen oder freikirchlichen Gottesdienststätte. Ob in der Citykirche, der grössten und renommiertesten Kirche im Zentrum oder in einem kleinen unscheinbaren Gemeindezentrum in einem Wohnviertel am Stadtrand. Darauf kommt es nicht an. Glücklich, wer erkennt: Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten ist das Entscheidende. Damit erteilt Jesus übertragen auf unse-re Situation heute allem Hin- und Her zwischen katholischer und evangelischer Kirche, jedem Zweifel am Kirchesein einer anderen Kirche, eine Absage. Allem fundamentalistischen Abschotten einzelner Glaubensgemeinschaften, die meinen, nur sie hätten den rechten Glauben. Ja, im Grunde sagt Jesus sogar, es kommt nicht darauf an, welcher Religion ihr angehört. Und verurteilt damit indirekt auch alle Terrorakte aus einer fundamentalistischen Gesinnung heraus. Die Wahrheit ist Christus. Das Heil kommt von den Juden, sagt Jesus deshalb ausdrücklich.
Aber seine Einladung geht an alle Menschen, Juden wie Samaritaner und weit darüber hinaus. Gott ist nicht nur für eine Konfession oder Partei da. Er ist der Vater aller und möchte auch so angebetet werden. Entscheidend ist, dass Euer Glaube Euch frei macht und lebendig und Leben schafft und nicht einschränkt. So wenig, wie wir uns vielleicht ein Ende all dieser kirchlichen und religiösen Auseinandersetzungen vorstellen können, so wenig kann sich das die Samaritanerin denken. Ja, am Ende der Zeit, wenn der Messias kommt, sagt sie, dann kann es sein, dass das alles keine Rolle mehr spielt. Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt.
Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. Aber Jesus sagt: Du musst nicht mehr warten, ich bin´s, der mit dir redet. Der, der das überwindet, ist schon da. Er steht vor dir. Du hast dein Lebensglück schon gefunden, denn du hast mich gefunden, die Quelle des Lebens.
Musik
Die Frau am Brunnen ist Jesus leibhaftig begegnet, damals. Sie lässt danach ihren Krug mit Wasser stehen. Dieses Wasser ist für sie jetzt völlig nebensächlich, denn sie hat etwas Besseres gefunden. Alle ihre Sehnsüchte, ihre Fehler, alle Abhängigkeiten von früher scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Das Leben, das sie sich erhofft hat, ist an deren Stelle getreten.
Und wie finden wir heute diesen Jesus, die Quelle unseres Lebens in Person? Wie können wir ihm begegnen, so dass sich unser Leben ändert? Wie fühlt sich denn dieses Lebensglück an, das er für uns bereit hält?
Da wird es spannend. Da erwarten Sie von mir vielleicht konkrete Tipps oder Rezepte. Leider habe ich die nicht. Denn jedes Leben ist anderes und jeder ist auf seine ganz eigene Weise auf der Suche. Aber ein wenig Hilfestellung, die kann ich Ihnen geben., Wir können noch mal näher hinschauen, wie Jesus mit der Frau am Brunnen umgegangen ist. Und dafür das Bild von der Quelle noch mal betrachten. Charakteristisch für eine Quelle ist ja: das Wasser strömt unermüdlich aus ihr heraus, ist offen zugänglich für jedermann. Und wer mal frisches Quellwasser in den Bergen getrunken hat, der weiß, wie es erfrischt und belebt und die Mühen einer langen Wanderung und allen Schweiß vergessen lässt. So ist Jesus: Offen und zugänglich für alle; er gibt, was gebraucht wird; gratis und unbegrenzt.. Die Frau am Brunnen wollte angenommen und geliebt werden. Diese Art Durst quälte sie mehr als der nach Wasser.
Im Neuen Testament lesen wir von vielen anderen, die jeweils etwas ganz anders gesucht haben und denen Jesus deshalb auch etwas ganz unterschiedliches angeboten hat. Der Gelähmte musste von Jesus gestärkt und motiviert werden, sich von seiner Krankheit nicht unterkriegen zu lassen. Steh auf, nimm dein Bett und geh, sagt ihm Jesus. Er tut es und es gelingt ihm, er kann wieder gehen. Der Sünderin sagt er: Deine Sünden sind dir vergeben. Sündige hinfort nicht mehr. Dem reichen Jüngling empfiehlt Jesus: Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. Wichtig ist, dass die Angesprochenen von dem Quellwasser getrunken haben, in sich aufgenommen haben, was Jesus zu sagen hatte.
Das erfrischende an Quellwasser ist, dass es unheimlich kalt ist. Man muss sich zunächst überwinden, zu trinken oder gar Arme oder Füsse hineinzuhalten und sich damit abzukühlen. So sind auch die Worte Jesu auf den ersten Blick oft alles andere als angenehm. Und es kostet manches Mal Überwindung, sie an sich heran zu lassen. Aber sie beleben und verändern uns gerade durch ihre Klarheit und Kompromisslosigkeit. Sie öffnen mir die Augen über mich selbst, ich gestehe mir meine Sehnsüchte, mein Suchen ein, und auch meine Fehler, meine Irrwege. Sie öffnen mir auch die Augen für andere. Ich höre auf, nur mich selbst und meine Bedürfnisse zu sehen, immer nur meine Probleme zu wälzen. Ich sehe: andere haben auch Probleme, ich bin nicht die einzige, die im Leben zu kämpfen hat. Auch dieser Blick auf den anderen kann mich beleben. Und er ist der Anfang davon, dass ich selbst zur Quelle für andere werden, die wiederum bei mir trinken können. Wasser, das in das ewige Leben quillt.
Vielleicht ist gerade das das Geheimnis des Glücklichseins im Leben, oder? Wenn ich mir und anderen nichts mehr vormache, dann kann ich sein, die ich bin, dann blühe ich auf im Leben. Auch zum Wohle von Menschen, für die ich da sein kann. Bei Jesaja heißt es: Wenn du dich für andere öffnest, dann wirst du sein wie ein be-wässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. Indem ich so Jesus als Quelle des Lebens erfahre, lerne ich Gott kennen als den, der offen ist für alle Seiten an mir, an den ich mich vertrauensvoll wenden kann, und der mich frei und lebendig macht.
Der mich liebt mit meinen Wünschen und Sehnsüchten. Bei dem ich aufgehoben bin mit meinen Enttäuschungen und Niederlagen. Den Gott, der mir Klarheit schenkt über das, was gut und das, was schlecht ist. Zu ihm kann ich beten. Mit dem Gebet Jesu, dem Vater unser, mit dem er uns beibringt, uns wie an einen Vater an Gott zu wenden. Aber auch mit den Psalmen, dem großen Schatz Israels. Auch aus ihnen können wir Vertrauen in Gott lernen. Kraft zu schöpfen, indem wir trinken von dem Wasser des Lebens.
Unsere Sehnsucht nach vielem im Leben wird dann zwar bleiben. Auch manche schwere Krankheit oder manche anderen Situationen, in denen unser Leben stillzustehen scheint, sind damit nicht einfach weg. Das Leben wird dann nicht einfacher oder leichter. Ein nie verrinnendes Zauberwasser, wie es sich die Frau am Brunnen wünscht, gibt es nicht. Und dennoch können wir erleben, dass sich manches ändert. Das eine mehr, das andere weniger, so wie Quellwasser nicht jeden zu jedem Zeit-punkt gleich erfrischen und beleben wird. Aber es belebt immer. Und oft gerade dann am meisten, wenn ich besonders erschöpft und am Boden bin.
Wenn meine Kraft und mein Halt im Leben aus dieser Quelle kommen, dann bin ich unabhängig von meiner jeweiligen Lebenssituation. Dann lebe ich nicht nur im Urlaub auf, und fiebere den Rest des Jahres nur noch auf ihn hin. Dann bin ich nicht nur zufrieden mit mir, wenn ich nonstop arbeite, und verliere mein Selbstwertgefühl nicht komplett, wenn ich entlassen werde oder es mit der Karriere nicht klappt. Dann muss nicht ein Partner oder eine Partnerin meinem Leben seinen Sinn geben. Und wenn die Beziehung zu Ende geht, dann ist das schlimm, immer, klar, aber ich weiß trotz-dem noch etwas mit mir anzufangen. Dann kann ich das, was mein Leben reich macht und ihm Sinn gibt, genießen, mich darüber freuen, und auch wenn es schwer ist, wenigstens versuchen, die harten Seiten des Lebens als Teil von ihm anzunehmen.
Denn ich weiß, ich kann jederzeit zu dieser Quelle kommen, die mich lebendig macht. Und dann auch für andere Quelle sein. Ich kann Ihnen nicht beweisen, dass das so ist und Ihnen auch nicht garantieren, dass Sie diese Erfahrung machen. Aber wir können den lebendigen Gott um seine Nähe zu bitten, wir können ihn bitten, für uns Quelle des Lebens zu sein, eine Quelle, die nie versiegt und erfülltes, ewiges Leben schenkt. Amen.
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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