Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.08.07, Frank Küchler

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!

Liebe Hörerinnen und Hörer, in dieser Woche stehen hier in den Morgenandachten die 10 Gebote auf dem Programm. Genauer gesagt:

die sechs Gebote, die die Beziehungen der Menschen zueinander in den Blick nehmen. Gleich am Anfang geht es um das  Zusammenleben der Generationen:  „ Ehre deinen Vater und deine Mutter!“

Ein Vater, dessen Sohn in den Konfirmandenunterricht kam, sagte mir bei der Anmeldung:
„Bimsen Sie den Kindern die zehn Gebote ein!“ Er und seine Frau hatten große Schwierigkeiten mit ihrem pubertierenden Sohn, wie sich dann später herausstellte. Da dachte er sich: der Pastor kann ruhig ein bisschen Erziehungshilfe leisten. Das macht es uns vielleicht leichter. 

„Ehre deinen Vater und deine Mutter!“ – diese Worte sind sicher so manches Mal zitiert worden von Eltern, die vor der Respektlosigkeit ihrer Kinder kapitulieren mussten. Aber: was für eine Naivität! Da soll ein biblisches Gebot auf einmal das retten, was über Jahre schief ge-gangen ist. Respekt - der muss doch von klein auf gelernt werden. Und das gilt ja hin wie her! Auch Eltern müssen mit ihren Kindern respektvoll umgehen. Wie sollen denn die Kinder sonst lernen, was Respekt ist? Auch die Eltern untereinander müssen sich gegenseitig Re-spekt entgegenbringen. Denn die Kinder achten ja sehr genau darauf, wie ihre Eltern mit-einander umgehen. Paare, die sich gegenseitig nicht mit Respekt behandeln, brauchen sich nicht zu wundern, dass die Kinder diese Art des Umgangs für sich übernehmen. Wir Er-wachsenen  haben nun mal eine wichtige Vorbildfunktion! Ob uns das nun passt oder nicht.
Sie sehen: als Erziehungshilfe taugt das  Gebot nicht. 

Die Zielrichtung ist eine andere. Sie wird deutlicher, wenn wir den Teil des Gebotes mit dazu nehmen, der beim Zitieren meist vergessen wird: „Ehre deinen Vater und deine Mutter -  auf dass du lange lebest in dem Land, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.“
Das heißt: wenn die Beziehungen zwischen den Generationen langfristig gut sind, dann hat unsere Gesellschaft Bestand. Das ist hier gemeint. Die ältere Generation muss der nach-folgenden vermitteln, was ihr wichtig ist und was Bestand hat. Wir sind nicht die ersten Menschen auf dieser Welt. Wir leben doch als Gesellschaft von dem, was andere uns mit auf den Weg gegeben haben. Vater und Mutter ehren, das tun wir, indem wir uns ins Gedächtnis rufen, was wir von ihnen Wertvolles bekommen haben.

Nehmen sie sich doch einmal einen  Moment Zeit, und denken dem nach. Meine Eltern: was habe ich von ihnen übernommen – und was hat Bestand? Mit anderen Worten: was habe ich davon für gut befunden und was will ich davon weitergeben? Ich bin sicher, ihre Eltern werden in diesem Nachdenken zu Ehren kommen. Dabei müssen sie ja die Schwächen und Fehler der eigenen Eltern nicht unter den Teppich kehren. Keiner ist perfekt! Eltern sind auch nur Menschen. Auch die eigenen.

Was also haben ihnen ihre Eltern mit auf den Weg gegeben, und was davon ist Ihnen so wichtig, dass sie das bewahren wollen, indem sie es weiter geben?

Als Ermutigung zur Erziehung taugt das Gebot also schon! Es macht Mut, als Eltern stark zu sein und die eigenen Kinder wirklich zu erziehen – anstatt sie sich selbst zu überlassen. Indem wir ihnen das weitergeben, was wir von unseren eigenen Eltern bekommen haben - und was wir nach kritischer Prüfung auch selbst für gut befunden haben!


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen