Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.08.07, Frank Küchler

Du sollst nicht stehlen!

Liebe Hörerinnen und Hörer, in dieser Woche stehen hier in den Morgenandachten die 10 Gebote auf dem Programm. Genauer gesagt: die sechs Gebote,

die die Beziehungen der Menschen untereinander in den Blick genommen. „Stiehl nicht “, heißt es kurz und bündig. „Stiehl nicht.“

Es gibt meine Sachen und deine Sachen. Es gibt unsere Sachen und die Sachen anderer
Leute, die uns nicht gehören. Das müssen Kinder schon früh lernen. Nicht alles gehört dir. Das fängt schon bei den Eineinhalbjährigen an. Die Schaufel, gehört dem anderen Kind da! Die  kannst du nicht einfach wegnehmen!

Andererseits hat uns Gott vieles gegeben auf unserer Welt, was   allen Menschen gehört: die wärmenden Sonnenstrahlen, den Wechsel der Jahreszeiten, Saat und Ernte, die Luft, den Wald, die Felder, die Bodenschätze, einen großen Reichtum an Tieren und Pflanzen.
Manches davon ist nur ungleich verteilt. Ein Grund hierfür ist: die Menschen haben ihr Leben schon früh nach einem arbeitsteiligen Prinzip organisiert. Die einen bewirtschaften das Feld, andere zahlen für das Korn, die einen halten Tiere, die anderen bezahlen für das Fleisch, die Milch und den Käse.

Diese Arbeitsteilung führt dazu, dass es unterschiedliche Besitzverhältnisse, dass es
Austausch und Handel gibt. Aber damit auch Diebstahl. Das arbeitsteilige Prinzip ist eine große Chance und zugleich eine Gefahr. Denn: Millionen Menschen leiden an Hunger, haben keine Ausbildung und keine beruflichen Chancen, Unzählige müssen betteln oder schwerste und erniedrigende Arbeiten tun, damit sie überleben können. Auch in unserem Land öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr. Mir macht das Sorge. Denn das wird auf Dauer den sozialen Frieden in unserem Land immer mehr gefährden.
Man kann also mit Fug und Recht sagen: auch die ungerechte Verteilung von Gottes guten Gaben in dieser Welt ist eine Form des Diebstahls. Anderen Menschen das Allernötigste zum Überleben vorzuenthalten und sie damit ihrer Würde und ihres Menschseins zu berauben, ist Diebstahl.

Wir Menschen in den reichen Industrienationen sind nicht frei von diesem Vorwurf,  durch unsere Lebensweise andere Menschen zu berauben. Darum gibt es ja auch die dringend erforderliche Diskussion um die Globalisierung und ihre negativen Folgen. Vielen Menschen ist es ein Herzensanliegen, darüber nachzudenken, wie man das Leben für möglichst Viele gerechter und besser gestalten kann. Wie man die negativen Folgen der Globalisierung abschwächen kann. Mit dem Gebot „Stiehl nicht“ verbindet sich also in besonderer Weise auch eine Verpflichtung, für Gerechtigkeit einzutreten in dieser Welt voller
Ungerechtigkeiten. 


Gott sei Dank gibt es  so heute viele unterschiedliche Initiativen, auch in den Kirchen, die sich diesem Gebot besonders verpflichtet fühlen. Menschen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, dass die guten Gaben Gottes auf dieser Welt gerechter verteilt werden. Die daran arbeiten, dass die aller dringendste Not von Menschen gelindert wird. Aber die darüber hinaus auch versuchen, Strukturen zu verändern, die Diebstahlcharakter haben. Wo das geschieht, da wird etwas von dem guten  Gebot Gottes in die Tat umgesetzt. Wo das geschieht, da freut sich Gott darüber. Da zeigt sich, dass Gerechtigkeit ein anderer Name für Gott ist.

Audiobeitrag Du sollst nicht stehlen!


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