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Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus!
Liebe Hörerinnen und Hörer, in dieser Woche stehen hier in den Morgenandachten die 10 Gebote auf dem Programm. Genauer gesagt:
die sechs Gebote, die die Beziehungen der Menschen untereinander in den Blick nehmen. Begehre nicht deines Nächsten Haus. Begehre nicht deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.
Wie können die Müllers von nebenan sich das eigentlich alles leisten? Zweimal im Jahr fahren die in Urlaub, er und sie (!) haben ein Auto. Die Kinder sind immer modisch gekleidet. Und jetzt hört man sogar, dass sie auch noch bauen wollen und sich ein Grundstück gekauft haben. Dabei weiß doch jeder, dass der Quadratmeter hier nicht unter 200 Euro zu haben ist. Wie machen die das bloß?
Wir werden offenbar doch mit schielenden Augen geboren. Immer ist das, was andere haben, schöner, größer oder besser als das, was man selbst hat. Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht die Begehrlichkeit wäre. Das Schielen auf das, was ein anderer hat, ich aber nicht habe. Ich muss das haben, was der andere hat. Ich muss so sein, wie der andere ist. Das kann einen ganz schön besitzen.
Da wundert es eigentlich nicht, wenn Ehen, Familien, Kinder, Berufe und ganze Existenzen daran kaputt gehen, an den verschiedenen Begehrlichkeiten. Ja, die Gier kann einen gefangen nehmen. Gott aber will, dass wir freie Menschen sind. Lass dich nicht gefangen nehmen! Das ist die Zielrichtung dieses Gebotes Du sollst nicht begehren! Das heißt: werde kein Sklave deiner eigenen Gier.
Eigentlich ist es doch auch gar nicht einzusehen, wieso mich ausgerechnet das glücklich machen sollte, was mein Nachbar hat, ich aber nicht habe. Da frage ich mich: was steckt denn eigentlich hinter der Gier?
Ich vermute: im tiefsten ist es wohl die Sehnsucht danach, erfüllt leben zu können. Es ist der tiefe Wunsch, zu einer wirklichen Zufriedenheit im eigenen Leben zu kommen. Haben Sie denn eigentlich für sich ganz persönlich schon einmal darüber nachgedacht, was sie erfüllt? Was sie im Innersten glücklich machen könnte? Gut, wenn sie sich darüber wirklich im Klaren sind, dann ist es auch vernünftig, etwas dafür zu tun und danach zu streben. Das ist doch nur logisch. Strebe behutsam nach dem Glück - so lautet eine Inschrift in einer alten Kirche. Wohl gemerkt: da liegt der Akzent auf behutsam! Behutsam! Also: nicht mit der Brechstange! Ich kann es doch in Wahrheit auch gar nicht erzwingen!
Behutsam, das bedeutet für mich auch: ich werde mich möglicherweise damit arrangieren müssen, dass nicht alles das, was ich mir wünsche, auch Wirklichkeit wird, zumindest nicht auf der Stelle und sofort. Anders ausgedrückt: ich brauche vielleicht einen langen Atem! Und schließlich meint behutsam: erst einmal in sich hinein zu hören und zu entdecken, was mir ganz persönlich ein Ziel ist im Leben, von dem ich mir Erfüllung verspreche.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus!
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